Reseller-Pleiten

Fluch und Segen von Amazon, eBay und Co.

Armin Weiler kümmert sich um die rechercheintensiven Geschichten rund um den ITK-Channel und um die Themen der Distribution. Zudem ist er für den Bereich Peripherie zuständig. Zu seinen Spezialgebieten zählen daher Drucker, Displays und Eingabegeräte. Bei der inoffiziellen deutschen IT-Skimeisterschaft "CP Race" ist er für die Rennleitung verantwortlich.
E-Commerce-Plattformen sind für Händler eine bequeme Alternative für das Online-Geschäft. Doch der Schuss kann auch nach hinten losgehen.
e-Commerce-Plattformen erreichen einen großen Kundenkreis - sind aber nicht ohne Risiko für Fachhändler.
e-Commerce-Plattformen erreichen einen großen Kundenkreis - sind aber nicht ohne Risiko für Fachhändler.

Andreas R. (Name auf Wunsch des Betroffenen von der Redaktion geändert) steht vor dem Ruin. Angefangen haben die Probleme des Fachhändlers, der sein Geschäftsmodell fast ausschließlich auf Verkäufe über das E-Commerce-Portal von Amazon ausgerichtet hatte, mit der verzögerten Zahlung des Portalbetreibers. Damit setzte sich eine Kette von Ereignissen in Gang, die auch ein Romanautor nicht besser hätte beschreiben können: Das Geschäftskonto geriet ins Minus, daraufhin hagelte es eine Rücklastschrift bei einem Zulieferer, die Kreditlinie wurde gekürzt.

Andreas R. geriet in weitere Lieferschwierigkeiten, weil er sich nach anderen Lieferanten für bereits zugesagte Produkte umsehen musste. Nun setzte es schlechte Kundenbewertungen. Amazon reagierte und behielt weitere, zur Auszahlung bereitstehende Beträge zur Sicherheit ein. So ging es im Ranking weiter bergab. Kontaktversuche mit Amazon verliefen laut R. unbefriedigend. Rund 100.000 Euro Investitionen in ein Amazon-freundliches Warenwirtschafssystem sind dahin, fünf Angestellte stehen vor der Entlassung.

Bei Amazon gibt man sich in diesem konkreten Fall zugeknöpft: "Wir haben mit dem Anbieter erneut Kontakt aufgenommen und werden die auf dieses Konto bezogenen Fragen mit dem Verkäufer direkt klären", erklärt Amazon-Sprecherin Christine Höger auf Anfrage von ChannelPartner. Man könne aus "Datenschutzgründen" keine Details mitteilen. Den Vorwurf der schlechten Erreichbarkeit der Verantwortlichen will sie jedoch nicht gelten lassen: "Grundsätzlich sind wir für unsere Verkäufer telefonisch Montag bis Freitag zwischen 9 und 17 Uhr erreichbar und per E-Mail rund um die Uhr."

Und weiter: "Verkäufern über die Amazon-Plattform stehen verschiedene Tools zur Verfügung, mit denen sie sicherstellen können, dass ihre Performance im zulässigen Rahmen liegt", erläutert die Amazon-Mitarbeiterin. Händler sollten dies regelmäßig überprüfen und so sichergehen, dass sie die Teilnahmebedingungen des Programms erfüllen, rät sie. "Ist dies der Fall, so kann ein Händler selbstverständlich mit Amazon als ausschließlichem Partner hervorragend zusammenarbeiten", meint Höger.

Mittlerweile hat Amazon das Konto von Andreas R. komplett dichtgemacht. Wie es mit ihm und seinen Mitarbeitern weitergeht, steht in den Sternen.

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