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Ein Jahr nach der Metro-Aufspaltung

Für Media-Saturn geht es an der Börse abwärts



Dr. Matthias Hell ist Experte in Sachen E-Commerce und Retail sowie ein Buchautor. Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge in renommierten Handelsmagazinen und E-Commerce-Blogs. Zuletzt erschien seine Buchveröffentlichung "Local Heroes 2.0 – Neues von den digitalen Vorreitern im Einzelhandel".
Wie kam es zum Einstieg des vermeintlich kleineren Players Freenet bei der Media-Saturn-Mutter Ceconomy? Die Antwort ist der Abwärtstrend der Ceconomy-Aktie an der Börse. Wie kann die Trendwende gelingen?
Ceconomy-CEO Pieter Haas konnte bisher nicht einlösen, was er den Aktionären versprochen hat
Ceconomy-CEO Pieter Haas konnte bisher nicht einlösen, was er den Aktionären versprochen hat
Foto: Ceconomy

Das Versprechen von Metro-Chef Olaf Koch an die Aktionäre des Handelskonzerns klang gut: Sollte es zu einer Aufteilung des Lebensmittels- und Elektronikgeschäfts der Metro geben, würden "zwei hervorragend positionierten Marktführer" entstehen, die sich "noch stärker auf ihre jeweiligen Geschäfte konzentrieren und dadurch noch größeren Wert für Kunden, Mitarbeiter und Geschäftspartner schaffen würden", so Koch Anfang 2016. Doch wie sieht es heute, ein Jahr nach der Konzernaufspaltung mit diesem Versprechen aus?

Der kürzlich bekannt gewordene Einstieg des Freenet-Konzerns bei der Media-Saturn-Mutter Ceconomydeutet es schon an: Die Metro-Aufspaltung hat sich nicht zu der Erfolgsgeschichte entwickelt, die den Aktionären versprochen wurde. Noch vor einem Jahr wurde Freenet, mit dessen Mobilfunk-Tochter Mobilcom-Debitel Media-Saturn schon lange zusammenarbeitet, als möglicher Kaufkandidat für den Elektronik-Retailer gehandelt. Nun steigt Freenet als Aktionäre mit knapp zehn Prozent bei Ceconomy ein - wie konnte es dazu kommen?

Blickt man auf die Marktkapitalisierung der beteiligten Unternehmen, wird die negative Entwicklung des letzten Jahres deutlich: Der Unternehmenswert der alten Metro AG betrug zum Ende des Geschäftsjahres 2015/16 (30. September 2016) ganze 8,7 Milliarden Euro. Nach der Konzernaufspaltung sah es zunächst recht gut aus. So betrug die Marktkapitalisierung der Metro AG zum Ende des Bilanzjahres 2016/17 (30. September 2017) rund 6,5 Milliarden Euro und der Unternehmenswert der Ceconomy AG knapp 3,2 Milliarden Euro. Seitdem setzte allerdings ein drastischer Wertverfall ein: Die Metro AG kommt heute auf eine Marktkapitalisierung von 3,8 Milliarden Euro, die Ceconomy AG sogar nur noch auf knapp 2,6 Milliarden Euro. Freenet, dessen Unternehmenswert bei rund 3 Milliarden Euro liegt, ist im Vergleich zur Media-Saturn-Mutter Ceconomy damit inzwischen das Bedeutendere der beiden Unternehmen.

Kommt der Zusammenschluss mit Freenet?

Ceconomy-CEO Pieter Haas wird den Aktionären ein Konzept präsentieren müssen, wie sich der Aktienkurs - und damit der Unternehmenswert - des Retailers wieder steigern lässt. Viele der in den letzten Monaten ergriffenen Aktionen haben nicht den erwünschten Effekt gebracht: Ob der Einstieg bei dem französischen Pendant Fnac Darty, die Gründung einer European Retail Alliance oder die kürzliche Veräußerung des schlecht laufenden Russland-Geschäfts - an den Börsen wurden die Entscheidungen des Top-Managers bisher nicht belohnt.

Gelingt Ceconomy nicht die Trendwende, könnte daher auch ein komplettes Zusammengehen mit Freenet eine realistische Option werden - ähnlich wie das Joint Venture von Dixons und Carphone Warehouse in Großbritannien. Zusammen brächten es auch die beiden deutschen Konzerne auf eine beachtliche Größe - allerdings mit der Media-Saturn-Mutter als kleinerem Partner.

Seit vielen Jahren ist Mobilcom-Debitel schon Partner von Media-Saturn, nun über den Mutterkonzern Freenet auch an Ceconomy beteiligt
Seit vielen Jahren ist Mobilcom-Debitel schon Partner von Media-Saturn, nun über den Mutterkonzern Freenet auch an Ceconomy beteiligt
Foto: Media-Saturn

Anlässlich der Beteiligung von Freenet an Ceconomy gab es jedenfalls schon sehr wohltönende Klänge zu hören: "Über unsere Vertriebskooperation verbindet uns eine langjährige vertrauensvolle und überaus erfolgreiche Zusammenarbeit mit MediaMarktSaturn", erklärte Christoph Vilanek, Vorstandsvorsitzender der Freenet AG. "Auch perspektivisch versprechen wir uns dadurch wichtige Impulse - sowohl für unser Mobilfunkgeschäft als auch für das TV- und Digital-Lifestyle-Business." Freenet nutze die Gelegenheit, in einem Schritt mit knapp 10 Prozent zu einem angemessenen Preis cei Ceconomy einzusteigen. "Insgesamt möchte ich betonen, dass die Investition ein klares Bekenntnis zu der Partnerschaft mit MediaMarktSaturn ist, von der beide Seiten profitieren werden", so Vilanek.

Und Ceconomy-CEO Pieter Haas erklärte zu der Beteiligung: "Wir freuen uns, einen so renommierten Spieler unserer Branche, der uns auch bei der weiteren Umsetzung unserer strategischen Agenda begleiten wird, als neuen Aktionär bei uns an Bord begrüßen zu dürfen. Auch unsere drei anderen Großaktionäre Haniel, die Meridian Stiftung und Beisheim sowie unser Aufsichtsrat heißen den neuen Investor herzlich willkommen." Abzuwarten ist, ob es bei der zehnprozentigen Beteiligung bleibt oder ob damit erst der Anfang eines Prozesses eingeleitet wurde.