Gespräch mit Geschäftsführerin Sonja Moosburger

Media-Saturn spart nicht bei Innovationen



Matthias Hell ist Experte in Sachen E-Commerce und Retail sowie ein Buchautor. Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge in renommierten Handelsmagazinen und E-Commerce-Blogs. Zuletzt erschien seine Buchveröffentlichung "Local Heroes 2.0 – Neues von den digitalen Vorreitern im Einzelhandel".
Mit einem Automaten für die Entsorgung alter Mobiltelefone sorgte die Media-Saturn Innovationseinheit N3XT kürzlich für Aufsehen. Trotz Einsparungen und Stellenabbau geht bei dem Retailer die Digitalisierung des Handelsgeschäfts weiter.
Neuestens Beispiel für die Innovationsstrategie von Media-Saturn: Der Handyautomat im Media Markt in Ingolstadt
Neuestens Beispiel für die Innovationsstrategie von Media-Saturn: Der Handyautomat im Media Markt in Ingolstadt
Foto: Media-Saturn

Der Media-Markt-Standort direkt am Firmensitz von Media-Saturn in Ingolstadt ist einer von deutschlandweit zehn Märkten, in denen das Unternehmen derzeit die Entsorgung von alten Mobiltelefonen mithilfe von Automaten erprobt. Kunden können einfach ihr altes Mobiltelefon anschließen, vom Automaten bewerten lassen und erhalten den Gegenwert sofort als Geschenkkarte. "Bei Saturn kommen ähnliche Automaten, die wir seit Anfang des Jahres zusammen mit dem Start-up Cellomat in sechs Märkten aufgestellt haben, so gut bei den Kunden an, dass wir nun bei Media Markt die Lösung des amerikanischen Anbieters ecoATM testen", erklärt Sonja Moosburger, Geschäftsführerin der MediaMarktSaturn Innovationseinheit N3XT. "Parallel dazu gibt es in den Märkten weiterhin die Möglichkeit, den stationären Ankaufservice des Recommerce-Anbieters Flip4New zu nutzen." Dass verschiedene Ansätze parallel ausprobiert werden, beschreibt Moosburger als einen der Grundzüge der Innovationsstrategie des Retailers: "Uns geht es darum, Dinge auszuprobieren und auch Lösungen, die noch nicht ganz fertig sind, in einem Markt oder online zu testen, um herauszufinden was am besten funktioniert und was der Kunde will."

Die Smartphone-Automaten stehen für einen der vier Schwerpunkte in der Arbeit der Innovationsabteilung N3XT, für das Thema Retail Machines. Wie Moosburger berichtet, zählten dazu auch die in vier Märkten aufgestellten "Münzlos-Glücklich-Automaten", die Kleingeld gegen Einkaufsgutscheine eintauschten, sowie Pilotprojekte mit Abholstationen für Online-Bestellungen. "Unser Ziel ist es dabei, Automaten anzubieten, die so einfach funktionieren, dass sie selbsterklärend sind." Die Smartphone-Automaten seien beispielsweise bereits von den Kunden genutzt worden, noch bevor Media Markt aktiv in die Bewerbung der Maschinen eingestiegen sei.

Sonja Moosburger ist Geschäftsführerin der MediaMarktSaturn Innovationseinheit N3XT
Sonja Moosburger ist Geschäftsführerin der MediaMarktSaturn Innovationseinheit N3XT
Foto: Media-Saturn

"Herausfinden, was bei den Kunden am besten ankommt"

Ein weiterer Schwerpunkt der Innovationsstrategie von Media-Saturn ist das Thema Instore Positioning. Wie Moosburger erklärt, gehe es dabei darum, die lokalen Parameter von Kunde, Produkt und Markt zusammenzuführen. N3XT haben dazu inzwischen viele Einzeltests durchgeführt und bringe nun die verschiedenen Technologien zusammen. Dazu gehörten die Positionsbestimmung mithilfe von Lichtsignalen, der Einsatz von Instore Robotern, Visual-Recognition-Systeme und die in den Märkten inzwischen standardmäßig eingesetzten digitalen Preisschilder. "Bei diesen Tests geht es nicht nur um die Kundennavigation, sondern beispielsweise auch um das Erstellen von Pick-up-Listen für Mitarbeiter", erklärt die N3XT-Geschäftsführerin. Zudem würden im Rahmen der Kartenerzeugung ständig Echtbilder erzeugt, die auch die Category Manager bei der einheitlichen Umsetzung von Sortimentsstrategien unterstützten.

Einen anderen Innovationsschwerpunkt hat Media-Saturn mit seinen Pilotprojekten zum kassenlosen Bezahlen wie 2018 in Innsbruck und in München gestartet. Ende 2018 sollten die verschiedenen erprobten Ansätze im größten Saturn-Markt an der Hamburger Mönckebergstraße zusammengeführt werden. "Der Testlauf ist inzwischen nach Berlin Steglitz umgezogen", berichtet Moosburger. Die Größe des Marktes in Hamburg habe sich unter anderem bei der Kontrolle des riesigen Eingangsbereichs als limitierend erwiesen. Denn bei dem Pilotprojekt bezahlten die Kunden zwar selbstständig auf der Fläche, müssten beim Verlassen des Marktes aber nochmal eine Prüfung durchlaufen. Das Bezahlen laufe dabei immer App-basiert, zum Teil auch über Web-Apps, aber immer separat von den "großen" Media-Markt- und Saturn-Kunden-Apps, um mehr Flexibiltät zu behalten. Ziel sei es, in einer finalen Lösung die verschiedenen Technologien zusammenzuführen - und herauszufinden, was bei den Kunden am besten ankomme.

Trotz dunkler Wolken über der Firmenzentrale in Ingolstadt will Media-Saturn bei der Innovationsstrategie nicht sparen
Trotz dunkler Wolken über der Firmenzentrale in Ingolstadt will Media-Saturn bei der Innovationsstrategie nicht sparen

Kein Sparzwang für Innovationen

Das vierte große Schwerpunktthema stellt für die MediaMarktSaturn-Innovationseinheit N3XT der Bereich Voice dar. Wie Geschäftsführerin Sonja Moosburge erzählt, erprobe der Retailer hier verschiedene Actions und Skills für Service-Aufgaben, aber auch im Commerce-Bereich. Beispiele seien Gewinnspiele, Marktfinder, ein TV-Berater sowie das "Schnäppchen des Tages". Bisher setze Media-Saturn dabei auf die Voice-Plattform von Google. "Wir sehen, dass die Voice-Technologie schon sehr weit ist und viele Skills auch von den Kunden recht gut angenommen werden", so Moosburger. Um Kunden für Bestell- oder Service-Anfragen eindeutig zu identifizieren, benötige es allerdings noch immer einen Medienbruch, der im Moment noch das größte Hindernis für die Technologie darstelle.

Eine mögliche konzerninterne Schwierigkeit für die Umsetzung der von N3XT entwickelten Innovationen stellen der Sparkurs und die Entlassungswelle bei dem krisengeplagten Elektronik-Retailer dar. Moosburger sieht sich in ihrer Arbeit davon nur wenig betroffen. "N3XT hat schon immer sehr kosteneffizient gearbeitet. Wir arbeiten autark und sehen es als unsere Rolle, Innovationen ins Unternehmen zu bringen." Ein Testlauf in einigen wenigen Märkten sei nicht vergleichbar mit einem neuen Feature, das in allen Landesgesellschaften von Media-Saturn umgesetzt werde. Deshalb sei die Innovationseinheit N3XT nicht von den aktuellen Sparmaßnahmen betroffen und arbeite ganz normal weiter. Außerdem sei das Bewusstsein für den Nutzen von Innovationen für den Geschäftserfolg von Media-Saturn weiterhin groß: "Wenn ein Projekt einen nachvollziehbaren Mehrwert bietet, dann wird es auch von der Geschäftsführung mitgetragen."