Marcus Rieck, Geschäftsführer bei Aluxo

„Schulen haben keinen CIO“

Armin Weiler kümmert sich um die rechercheintensiven Geschichten rund um den ITK-Channel und um die Themen der Distribution. Zudem ist er für den Bereich Peripherie zuständig. Zu seinen Spezialgebieten zählen daher Drucker, Displays und Eingabegeräte. Bei der inoffiziellen deutschen IT-Skimeisterschaft "CP Race" ist er für die Rennleitung verantwortlich.
Das Geschäft mit Schulen ist alles andere als einfach. Marcus Rieck, Geschäftsführer des Heidelberger Systemhauses Aluxo berichtet über Hindernisse, aber auch über Chancen mit Kunden aus dem Bildungswesen.

Covid-19 hat die Defizite der Schulen bei der Digitalisierung schonungslos offengelegt. Auch nach einem dreiviertel Jahr unter Pandemiebedingungen tun sich die Schulen hierzulande immer noch schwer, Homeschooling oder hybride Unterrichtsmodelle umzusetzen.

Marcus Rieck, Geschäftsführer des Heidelberger Systemhauses Aluxo, muss beim Geschäft mit Schulen und Bildungsträgern jede Menge Idealismus mitbringen.
Marcus Rieck, Geschäftsführer des Heidelberger Systemhauses Aluxo, muss beim Geschäft mit Schulen und Bildungsträgern jede Menge Idealismus mitbringen.
Foto: Aluxo

Das Heidelberger Systemhaus Aluxo betreut mit seinem Fokus auf Microsoft Cloud Services und Surface-as-a-Service auch zahlreiche Kunden aus dem Bildungsbereich. Für Geschäftsführer Marcus Rieck liegen die Ursachen auf der Hand: "Noch immer mangelt es an Hard- und Software sowie den notwendigen digitalen Kompetenzen, um den Unterricht pädagogisch wertvoll und effektiv remote gestalten zu können", meint der Aluxo-Chef.

Für Rieck sind die Hemmnisse vielschichtig. So führt er unter anderem Zeitmangel bei den Lehrkräften an, die eh schon zusätzlich mit der Belastung der Pandemie und deren Auswirkungen konfrontiert sind. "Eine komplette Schule digital aufzurüsten, erscheint anspruchsvoll und zeitintensiv - und ist dies ohne die nötigen Kenntnisse und Unterstützung auch", weiß er. Zudem sind die Kosten ein Problem. Es gibt zwar Fördertöpfe wie den Digitalpakt schule, doch das Antragsverfahren ist langwierig und aufwendig. Dazu kommt noch die Angst: "Eine der größten Herausforderungen für viele Lehrkräfte stellen das fehlende technische Fachwissen und die damit verbundene Unsicherheit im Umgang mit moderner Technik dar", erklärt Rieck. Es könne nicht von allen erwartet werden, sich über Nacht ohne zusätzliche Unterstützung das benötigte Verständnis und Know-how anzueignen.

Ganzheitliches Konzept gefragt

Damit Bildungseinrichtungen, Lehrenden und Lernenden den Weg zum digitalen Unterricht so einfach wie möglich gemacht wird, braucht es ein ganzheitliches Konzept. "An Schulen gibt es eben keinen CIO", stellt der IT-Experte fest. Als Beispiel nennt er das Microsoft-Konzept "Surface4Education", das seiner Meinung nach ohne weiteren Mehraufwand für die Schule einen Rundum-Service bietet. "Besonders gute Resonanz haben wir beispielsweise bei den Microsoft Surface Go 2 Tablets mit passendem Type Cover erhalten. Diese eigenen sich hervorragend auch für kleinere Budget-Möglichkeiten und bieten sich daher besonders für Schulen an", schildert Rieck seine Erfahrungen der Praxis. Das Surface Go 2 lasse sich leicht und intuitiv auch schon ab Jahrgangstufe Fünf nutzen. "Zusammen mit der Software Microsoft Teams für das Bildungswesen hat die Schule eine 360-Grad-Lösung aus einer Hand", meint Rieck.

So sieht der Manager bei allen Schwierigkeiten auch Möglichkeiten, den Schulen bei der Umsetzung von IT-Projekten zu helfen. "Anhand der Rahmen-Budget-Bedingungen der jeweiligen Schule entwickeln wir eine Lösung, die genau an diese Bedingungen angepasst ist. Je nach Wunsch und Nachfrage bieten wir den Service, die Hardware inklusive einer detaillierten Anleitung zu den Schulen, aber auch an Privatadressen, zu liefern", beschreibt er die Vorgehensweise. Durch die ganzheitliche Planung und die anschließende Betreuung und Unterstützung auch über die Lieferung und Installation der Geräte hinaus könne man für eine große Zeitersparnis sorgen und die Lehrkräfte entlasten, da sie sich nicht selbstständig um die einzelnen Schritte der Digitalisierung kümmern müssen. Den Vorbehalten bezüglich der mangelnden Qualifikation der Lehrkräfte könne man mit Schulungen, die speziell auf sie zugeschnitten sind, gezielt entgegenwirken. Zudem unterstützt Aluxo bei Fördergeldanträgen.

Overheadprojektoren werden weiterhin genutzt

Das alles setzt aber auch eine gewisse Bereitschaft seitens der Schulen und der Bildungsträger voraus. "An unsere Grenzen kommen wir, wenn die Schulen selbst die Digitalisierung als Thema nicht ernst nehmen und einer IT-Neuausstattung sehr skeptisch gegenüberstehen", räumt Rieck ein. Besonders anspruchsvoll sei die Beratung, wenn Lehrende konsequent an gewohnten und teilweise veralteten Unterrichtsmethoden festhalten. Als Beispiel nennt er Overheadprojektoren, die immer noch rege genutzt werden. "Für Themen wie Homeschooling ist diese Technologie gänzlich unbrauchbar", bekräftigt er. Mit der geeigneten Hardware wie dem Surface erreiche man das genaue Gegenteil: "Der Unterricht kann auch außerhalb des Klassenzimmers nahtlos von dem Punkt fortgesetzt werden, an dem man ihn beendet hatte", so Rieck.

Statt moderner Geräte nutzten Lehrkräfte oft noch Technologien wie Overheadprojektoren.
Statt moderner Geräte nutzten Lehrkräfte oft noch Technologien wie Overheadprojektoren.
Foto: Clevertouch

So lautet seine Empfehlung "nicht warten, sondern handeln". Dass das nicht immer nahtlos funktioniert, ist auch Rieck klar. Grundsätzlich ist das Budget klein und die Sales Cycles sind lang. "Bei einer der ersten Schulen, die unseren Service in Anspruch genommen haben, hat sich der Prozess von der Bedarfsermittlung bis hin zur Bestellung der Hardware über eineinhalb Jahre gezogen", erzählt der Experte. Das hing in dem geschilderten Fall insbesondere mit der Trägerschaft zusammen. "Ist die Gemeinde der Träger, sind oft Beschlüsse von Gremien notwendig. Innerhalb dieser Gremien wird das Thema leider immer wieder verschoben, weil zwischenzeitlich andere Themen priorisiert werden. Das hat zur Folge, dass die Digitalisierung der Schulen leider häufig in den Hintergrund gerückt wird", analysiert er.

Auch wenn die Geschäfte langwierig und die Margen geringer als bei Kunden aus der freien Wirtschaft sind, will Rieck aber nicht darauf verzichten. "Für mich persönlich steht der Gewinn nicht im Vordergrund. Mir ist wichtig, dass die Schulen mit der bestmöglichen Hardware versorgt werden, sodass eine umfassende und effiziente Bildung möglich ist", bekräftigt er. Die Tatsache, dass bei einer Bestellung einer geringen Anzahl an Tablets ein Minusgeschäft entstehe, ändere nichts an der Wichtigkeit der Sache. "Denn nur, wenn wir heute in Digitalisierung in der Bildung investieren, können wir sicherstellen, dass die Digitalkompetenz und Innovationskraft der Unternehmerinnen und Unternehmer von morgen gesichert werden", betont der Aluxo-Chef.

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