Interview mit CEO Christian Macht

So will Rakuten.de neuen Schwung gewinnen



Matthias Hell ist Experte in Sachen E-Commerce und Retail sowie ein Buchautor. Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge in renommierten Handelsmagazinen und E-Commerce-Blogs. Zuletzt erschien seine Buchveröffentlichung "Local Heroes 2.0 – Neues von den digitalen Vorreitern im Einzelhandel".

"Unser Brand wird mit Sicherheit stärker werden"

Rakuten-Gründer und CEO Hiroshi Mikitani sorgte 2012 mit der Ankündigung für Aufsehen, das E-Commerce-Unternehmen auch hierzulande zum Online-Marktplatz Nr. 1 machen zu wollen
Rakuten-Gründer und CEO Hiroshi Mikitani sorgte 2012 mit der Ankündigung für Aufsehen, das E-Commerce-Unternehmen auch hierzulande zum Online-Marktplatz Nr. 1 machen zu wollen

Welche strategische Rolle spielt für Rakuten der lokale Handel? eBay hat in den USA mit dem Service eBay Now eine Integration lokaler Angebote inklusive Same-Day-Delivery erprobt. Gibt es ähnliche Pläne auch für Rakuten? Immerhin haben Sie Ende 2012 den französischen Logistikdienstleister ADS übernommen…

Macht: Unsere Logistik-Kapazitäten sind sicher ein Vorteil, den Rakuten hat. Deshalb wäre es auch prinzipiell möglich, unseren Kunden Same-Day-Delivery anzubieten. Das ist aber nichts, was wir in den nächsten sechs bis 12 Monaten machen werden. Grundsätzlich gibt es bei der Online-Offline-Verknüpfung immer das Problem der Lieferung, wenn zum Beispiel Kunden nicht zu Hause sind. Hier gäbe es Denkmodelle, stationäre Shops oder auch Banken in die Lieferkette zu integrieren. Aber das sind zum jetzigen Zeitpunkt nur Überlegungen.

Eine der markantesten Neuerungen nach der Übernahme von Tradoria durch Rakuten war die Einführung von in Japan entwickelten Verkaufsevents wie dem Super Sale sowie den damit korrespondierenden Super Points. Als ehemaliger Groupon-Manager haben Sie ja Erfahrung mit Rabatt-Aktionen: Wie schätzen Sie das Potenzial der Rakuten-Verkaufsevents ein?

Macht: Verkaufsaktionen funktionieren immer dann, wenn sie in ein entsprechendes Ökosystem eingebunden sind. Deshalb ist es gut, dass Aktionen wie der Super Sale feste Bestandteile des Systems von Rakuten sind. Allerdings gibt es hier zum Teil noch einige ganz triviale Schwierigkeiten. So haben die Super Points zum Beispiel in Großbritannien einen unterschiedlichen Wert, was teilweise zu Verzögerungen bei der Abnahme von Aufsichtsbehörden führt. Das ist für ein selbstbefruchtendes System wie den Super Sale nicht optimal. Aber trotzdem waren die bisherigen Super Sales in ihrer Intensität schon beachtlich. Und so eine Tradition muss sich natürlich auch erst einmal einbürgern.

"Wir haben europaweit zwei Jahre verloren"

Es ist kein Geheimnis, dass Rakuten-Gründer Hiroshi Mikitani auf der Forbes-Liste der Superreichen rangiert, zudem ist das von ihm aufgebaute Unternehmen ein finanzstarker, weltweit agierender Konzern. Wünschen Sie sich manchmal mehr Unterstützung aus Japan, um solche vollmundigen Ankündigungen wie den "Angriff auf Amazon" umzusetzen?

Macht: Aus den Erfahrungen bei Groupon habe ich gelernt, dass der Transfer von Wissen viel wichtiger für die Entwicklung einer Landesgesellschaft ist. Wir hatten bei Rakuten.de die Situation, dass man von einem Unternehmen, das das "Baby" seiner Gründer war, auf den internationalen Wettbewerb umstellen musste. Dadurch haben wir europaweit zwei Jahre verloren. Jetzt haben wir vieles radikal umgestellt. Ich würde am liebsten gleich 20 neue Tools aus Japan und anderen Ländern in denen wir vertreten sind erhalten und diese möglichst schon morgen in Deutschland ausrollen. Aber die Geschwindigkeit, mit der wir hier vorangehen können, hängt nicht zuletzt auch von der deutschen Landegesellschaft ab. Immerhin sind wir jetzt viel stärker in den japanischen Technologietransfer eingebunden und arbeiten unsere Entwickler auch an den Weiterentwicklungen in Japan mit.

Das andere ist das Thema Marketing. Hier gab es von einigen Händlern schon Beschwerden, weil wir im vergangenen Jahr TV-Werbung angekündigt hatten und das dann nicht gemacht wurde. Deshalb will ich mich davor hüten, nun neue Versprechungen zu machen. Aber in Sachen Marketing wird auf jeden Fall etwas kommen. Dabei denken sicher auch viele an kürzlich aufgekommene Gerüchte über einen Sponsoring-Einstieg von Rakuten in die Formel 1. Es ist klar: Unser Brand wird mit Sicherheit stärker werden.

Was ist - zum Abschluss unseres Gesprächs - aus Ihrer Sicht das wesentliche Alleinstellungsmerkmal, mit dem Sie Rakuten.de gegen die Wettbewerber im Marktplatzgeschäft stärken wollen?

Macht: Wir sagen immer: "Rakuten, die Guten". Bei vielen Wettbewerbern laufen Händler Gefahr, dass ihm sein Geschäft genommen werden kann. Das betrifft vor allem besonders hoch drehende Produkte, die vom Marktplatzbetreiber dann übernommen und profitabler angeboten werden. Der Händler muss sich da gut überlegen, wo er hin will.

Zum anderen stehen wir für Themen wie Beratung, die im E-Commerce oft verloren gehen. Bei vielen Kunden besteht ein Wunsch danach, glückliche und unerwartete Kaufentdeckungen zu machen. Wir setzen uns dafür ein, dass das auch im Internet möglich ist.

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