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Keine Rettung für österreichischen Retailer

Was bedeutet die Niedermeyer-Insolvenz für den deutschen Elektrohandel?

31.05.2013
Sanierungskosten von bis zu 10 Millionen Euro – so viel war auch dem deutschen Onlinehändler Cyberport sein österreichischer Partner im stationären Handel nicht wert: Die Investorensuche für die Elektronikkette Niedermeyer blieb erfolglos, die verbleibenden 45 Filialen des einst 98 Standorte starken Filialnetzes werden in den kommenden Wochen schließen.
Die verbleibenden 45 Niedermeyer-Filialen schließen in den nächsten Wochen - droht Ähnliches bald in Deutschland?
Die verbleibenden 45 Niedermeyer-Filialen schließen in den nächsten Wochen - droht Ähnliches bald in Deutschland?
Foto: Niedermeyer

Sanierungskosten von bis zu 10 Millionen Euro – so viel war auch dem deutschen Onlinehändler Cyberport sein österreichischer Partner im stationären Handel nicht wert: Die Investorensuche für die Elektronikkette Niedermeyer blieb erfolglos, die verbleibenden 45 Filialen des einst 98 Standorte starken Filialnetzes werden in den kommenden Wochen schließen. Wegen des erfolgreichen Abholshop-Konzepts „Cyberport.at Niedermeyer“ wurde der deutsche Elektronikversender als möglicher Retter für die Elektronikkette gehandelt, die Anfang April Insolvenz anmeldete. Dabei wurde jedoch ausgeblendet, dass Cyberport – trotz seines starken Standbeins im stationären Handel – sehr genau um die Vorteile einer schlanken E-Commerce-Aufstellung weiß.

Mit Niedermeyer ist in Österreich innerhalb von drei Jahren bereits die zweite nationale Elektronikkette gescheitert. Während Niedermeyer auf ein dichtes Netz aus mittelgroßen Filialen setzte, betrieb das 2010 insolvent gegangene Cosmos in der Alpenrepublik insgesamt 27 Flächenmärkte. Beide Handelsketten verzeichneten zuletzt Umsätze im dreistelligen Millionenbereich, machten zusammengenommen aber unter 10 Prozent des Umsatzvolumens im österreichischen Elektronikhandel aus. Wie hierzulande wird der Markt auch in dem Nachbarland durch die Flächenmärkte der Media-Saturn-Gruppe und das Verbundgruppen-Dreigestirn aus EP, Expert und Euronics dominiert.

Ruinöser Online-Wettbewerb oder hausgemachte Pleite?

Dennoch ist im Zuge der Niedermeyer-Pleite in Österreich eine Debatte über die Ursachen der Insolvenz und deren generelle Aussagekraft für den Elektronikhandel in Gang gekommen. Häufig wird dabei auf die Konkurrenz aus dem Onlinehandel verwiesen: So heißt es beim Alpenländischen Kreditorenverband, die Elektro-Branche müsse ihr Geschäftsmodell überdenken, um den Druck aus dem Onlinehandel standzuhalten. Der Spezialist für Standortanalysen RegioPlan Consulting sieht bereits in naher Zukunft „eine ganz massive Veränderung“ des Einzelhandels durch den E-Commerce. So werde der stationäre Handel in erster Linie zu einem Ort der Warenpräsentation und der Kommunikation, während die Kaufakte und -abschlüsse sich zunehmend ins Netz verlagerten.

Doch gibt es auch Stimmen, die individuelle strategische Fehler für die Niedermeyer-Insolvenz verantwortlich machen. Die Kette habe mit ihrem dichten Filialnetz auf das fehlgeleitete Konzept eines „Elektro-Nahversorgers“ gesetzt. Angesichts der hohen Konkurrenzsituation, sinkender Margen und einer ungünstigen Konjunkturentwicklung seien die Niedermeyer-Standorte weder für die Konsumenten noch für die Industrie besonders attraktiv gewesen. „Zu klein und gleichzeitig zu groß“, lautet das Urteil des Branchenmagazins Elektro.at. Desweiteren wird ins Feld geführt, dass Niedermeyer weder mit dem angebotenen Sortiment noch mit der gelieferten Beratungs- und Servicekompetenz einen echten Kundennutzen geliefert habe: „Niedermeyer wurde zu einem Händler, der eigentlich alles hatte, aber doch nie das, was man gerade brauchte“, schreibt dazu Die Presse.