WordPress-Plugin

Webshops mit WooCommerce erstellen

CMS-Experte Marc Hillebrand (Jahrgang 1991) arbeitet bei DomainFactory. Der erfahrene Produkt Marketing Manager entwickelt nicht nur selbst gerne Webseiten, er kennt sich auch mit den gängigsten CMS und Programmiersprachen bestens aus. Sein Fachwissen gibt der versierte Content-Management-Profi gerne in hilfreichen Fach- und Ratgeberbeiträgen rund um WordPress-Hosting & Co. weiter.
Nach dem beeindruckenden CMS-Siegeszug von WordPress schickt sich nun auch WooCommerce an, den Markt der E-Commerce-Systeme für sich zu beanspruchen. Doch wie kommt es eigentlich dazu, dass immer mehr Online-Shops mit einem System realisiert werden, dessen Grundgerüst ursprünglich als Blog-Software konzipiert wurde? Wir klären, für wen WooCommerce erste Wahl ist und wer weiterhin auf klassische Systeme setzen sollte.
Es gibt viele Werkzeuge zum Erstellen von Online-Shops, eines von ihnen ist das WordPress-Plugin WooCommerce.
Es gibt viele Werkzeuge zum Erstellen von Online-Shops, eines von ihnen ist das WordPress-Plugin WooCommerce.
Foto: Garfieldbigberm - shutterstock.com

Die Erfolgsgeschichte von WordPress basiert auf dem Grundkonzept des Systems. Von Beginn an standen Benutzerfreundlichkeit, Bedienung und Zugänglichkeit - auch für Entwickler - im Mittelpunkt. Obwohl WordPress sehr flexibel einsetzbar ist, wirkt es nie überladen oder übermäßig komplex. Der modulare Aufbau, bei dem benötigte Zusatzfunktionen in Form von Plugins nachinstalliert werden, sorgt dafür, dass WordPress für jeden Anwendungsfall perfekt konfektioniert ist.

Modulares Webseiten-System - das Erfolgsrezept von WordPress

Die große Zugänglichkeit war vermutlich ausschlaggebend dafür, dass WordPress auch als CMS Platzhirsche wie Joomla oder Typo3 verdrängen konnte. Während Joomla vor allem strukturelle Defizite aufwies, scheiterte Typo3 an TypoScript. Welchen Effekt es dagegen haben kann, Entwicklern keine unnötigen Hürden in den Weg zu stellen, zeigt die riesige Auswahl an WordPress-Plugins.

Die Wandlung vom reinen Blog-System hin zu einem vollwertigen CMS hat WordPress im Laufe der Jahre fließend durchlaufen. Sowohl die Basisfunktionalität als auch eine zunehmende Anzahl sinnvoller Plugins lassen bei Webmastern längst keine Wünsche mehr offen. Somit können heute nicht nur Blogs, sondern eben auch klassische Webseiten realisiert werden. Und der Impact ist groß: Inzwischen basieren rund zwei von drei CMS-gestützten Webseiten auf WordPress.

WooCommerce - ein WordPress-Plugin mit beeindruckender Evolution

Bei WooCommerce beschreiten die WordPress-Entwickler von "Automattic" einen etwas anderen Weg. Gemäß des Grundkonzepts wird hier natürlich angenommen, dass nicht jeder Webmaster eine E-Commerce-Funktionalität benötigt. Entsprechend ist dieser Part nicht fester Bestandteil von WordPress, sondern kann in Form eines kostenlosen Plugins nachinstalliert werden. Das ändert jedoch nichts daran, dass es sich bei WooCommerce um eine solide und durchdachte E-Commerce-Lösung handelt. Doch für wen eignet sich WooCommerce denn nun wirklich und wann sind Lösungen wie Magento oder Shopware vorzuziehen? Darum geht es jetzt.

WooCommerce - der "perfect Fit"… nur für wen?

Grundsätzlich ist eine WooCommerce-Basisinstallation vergleichbar mit einem WordPress-CMS ohne zusätzliche Plugins. Während die Grundfunktionalität übersichtlich und benutzerfreundlich abgebildet wird, gelangt man bei speziellen Anforderungen schnell an seine Grenzen. Aufgrund der umfangreichen Auswahl an speziell für WooCommerce entwickelten Erweiterungen ist das jedoch kein Problem. Eine entsprechende Suchmaske mit Filterfunktion lässt sich schnell und komfortabel aus dem WooCommerce-Bereich im WordPress-Backend erreichen.

Stetige Verbesserungen durch Community und externe Entwickler

Dank der modularen Erweiterung des Systems - einerseits durch die WooCommerce-Entwickler, andererseits durch externe Developer - legt der Funktionsumfang immer weiter zu. Einige ursprüngliche Schwächen der Shop-Erweiterung wurden bereits durch entsprechende Plugins ausgebügelt oder sogar in Stärken umgewandelt. So war WooCommerce zu Beginn beispielsweise nicht für Dropshipping geeignet. Ein Nachteil, der sich längst in Luft aufgelöst hat. Auch die Anbindung an Marktplätze wie Amazon, Alibaba oder eBay lässt sich mit Hilfe von Erweiterungen inzwischen zufriedenstellend realisieren.

Sollen sehr umfangreiche Onlineshops erstellt werden oder sind die Anforderungen in Bezug auf die Marktplatzanbindungen sehr speziell, geht WooCommerce jedoch manchmal ein wenig die Luft aus. Das Pflegen von Produkten fällt zwar sehr leicht und ist komfortabel - bei gigantischen Sortimenten fehlt es dann aber doch an passenden Werkzeugen. Kein Wunder, denn ein umfangreiches Warenwirtschaftssystem (WWS) oder eine komplexe Lagerhaltung sind Anforderungen, die bei WooCommerce nicht von Haus aus integriert sind.

Übrigens aus gutem Grund, denn WooCommerce ist eine Erweiterung von WordPress, die auf die breite Masse abzielt - nicht auf hochprofessionelle Shop-Betreiber. Wer ohnehin schon eine WordPress-Webseite besitzt und einen Onlineshop anbinden möchte, findet hier alles, was er benötigt.

Perfekte Lösung für den Casual-Seller: E-Commerce leicht gemacht

Dieser Ansatz wird durch die Marktanteile reflektiert. Rund drei Millionen aktive Shop-Systeme weltweit basieren auf WooCommerce. Das entspricht einem Marktanteil von rund 25 Prozent. Ein Phänomen, das sicherlich nicht zuletzt auch auf die extrem niedrigen Einstiegshürden zurückzuführen ist. WooCommerce ist nicht nur kostenlos, es ist auch für jeden verständlich, der bereits mit WordPress vertraut ist. Existiert sogar schon eine WordPress-Seite, ist die Einrichtung eines WooCommerce-Shops nämlich besonders schnell erledigt. Somit ist WooCommerce auch immer dann prädestiniert, wenn das Erstellen eines Shops nur experimentellen Charakter hat.

Neben dem Funktionsumfang spielt vor allem bei E-Commerce-Projekten auch die Performance eine wichtige Rolle. Lange Ladezeiten beispielsweise erhöhen die Absprungrate und wirken sich somit unmittelbar negativ auf das Suchmaschinen-Ranking aus. Eine resultierende Reduktion des organischen Traffics bedeutet natürlich auch einen Umsatzrückgang. Umso wichtiger ist es, die Anwendung sauber und performant zu halten. WordPress und WooCommerce sind darauf ausgelegt, den Server nicht unnötig zu beanspruchen. Hier wurde seitens der Entwickler akribisch darauf geachtet, keine unnötige Systemlast zu erzeugen.

Plugins als Stolperfalle für den Webserver - PageSpeed als wichtiger Indikator

Schwieriger ist es dagegen, sobald Plugins installiert werden. Gerade wenn diese typischerweise von externen Entwicklern programmiert wurden, sind die Auswirkungen auf die Gesamtperformance nicht vorhersehbar. Umso wichtiger ist es, die Geschwindigkeit beim Seitenaufbau genau zu prüfen. Hier bietet sich das PageSpeed-Tool von Google an. Es ermittelt, wie Google die Geschwindigkeit des Seitenaufbaus wahrnimmt und gibt gleichzeitig nützliche Tipps für eine mögliche Optimierung.

Neben einer performanten Applikation ist ein leistungsstarker Server als funktionelle Basis ebenfalls empfehlenswert. Wichtig ist jedoch, dass beide Faktoren optimiert und aufeinander abgestimmt sind. Gerade zu Beginn eines Projektes ist es jedoch oft schwer abzuschätzen, welche Server-Komponenten benötigt werden. Grundsätzlich empfiehlt es sich, einen Server zu wählen, dessen Leistung sich jederzeit und leicht skalieren lässt.

Virtuelle Lösungen, bei denen Systemressourcen flexibel zugeteilt werden, sind den Restriktionen eines physischen Servers daher häufig vorzuziehen. Entscheiden Sie sich erst für ein niedrig dimensioniertes System und passen Sie die Leistung später nach Bedarf an. Oder nutzen Sie gleich ein auf WordPress mit WooCommerce ausgerichtetes Hosting-Paket. Am besten eines, bei dem besonders performante Plugins für jeglichen Bedarf gleich mitbereitgestellt werden.

Caching und saubere Programmierung als Turbo für Ihren Onlineshop

Leistungsdefizite der Applikation sollten jedoch mit höchster Priorität vermieden werden. Unsaubere Programmierung, die den Server unnötig belastet, ist ein persistentes Problem. Jeder einzelne Seitenaufruf erfordert eine Code-Interpretation durch den Webserver. Eine Prozedur, die bei entsprechender Besucherzahl tausendfach pro Minute durchlaufen wird. Jeder unnötige Reibungsverlust lastet somit die Infrastruktur aus. Was vielleicht zum Start des Projekts noch durch erhöhte Serverleistung kompensiert werden kann, sorgt bei späterem Wachstum oder Besucher-Peaks für folgenschwere Leistungseinbrüche.

Für zusätzliche Entlastung des Servers können Caching-Mechanismen sorgen. So lassen sich Produktseiten vorgeneriert ausliefern oder Bilder clientseitig speichern. Konfigurieren Sie den Webserver so, dass nicht jede einzelne und wiederkehrende Abfrage eine erneute Erzeugung oder Übertragung des Inhalts auslöst. Für die steigende Anzahl an Zugriffen von mobilen Endgeräten sind zudem auch Lazy-Loading Mechanismen empfehlenswert.

Entsprechende Plugins sorgen dafür, dass Bildinhalte nur dann geladen werden, wenn sie im sichtbaren Bereich (Viewport) des Benutzers erscheinen. Speziell auf Smartphones werden Layouts häufig so umgebrochen, dass ursprünglich horizontal angeordnete Elemente untereinander dargestellt werden. Entsprechend sind viele Inhalte auf dem Smartphone erst nach langem vertikalem Scrollen sichtbar. Werden Bilder also erst geladen, wenn sie auch im sichtbaren Bereich sind, reduziert das den Datentransfer signifikant.

Mit Sicherheit ein guter Online-Shop: Diese Maßnahmen sollten Sie ergreifen!

Für die Einrichtung einer WordPress-Webseite sollten ein paar Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden. Durch WooCommerce steigt die Verantwortung des Betreibers, da nun auch sensible Kunden- und Zahlungsdaten vorgehalten werden. Schützen Sie das Backend, indem Sie einen individuellen Benutzernamen für den Administrator vergeben. Der Standardname "admin" ist hier ebenso zu vermeiden wie ein kurzes und damit unsicheres Passwort. Verwenden Sie zudem einen individuellen Prefix für die Datenbanktabellen. Dafür gibt es bei der Einrichtung ein Eingabefeld, in dem Sie das Kürzel schnell und einfach anpassen können.

Sollte es eine Sicherheitslücke geben, die Unbefugten Abfragen auf Ihre Datenbank ermöglicht, erschweren alle Abweichungen von Standards einen Fremdzugriff. Einige Plugins erlauben es auch, den Standard-URL-Pfad Ihres WordPress Backends zu verändern. So kann die Anmeldemaske von "/wp-admin/" auf einen anderen Pfad umgezogen werden. Mit dieser einfachen Maßnahme lässt sich das Haupteinfallstor für Bots effektiv schließen.

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