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Vision statt Klein-Klein

Wie Sie die digitale Transformation ins Rollen bringen

Stefanie Peters führt seit 2011 als Gründerin und Geschäftsführerin die enable2grow GmbH. Seit 2008 war die fünfsprachige Diplom-Kauffrau mit MBA bereits als Beraterin für Internetunternehmen wie Citydeal.fr (heute Groupon), mytheresa.com, posterXXL und ImmobilienScout24 tätig. Zuvor baute sie als Director Business Development für JAJAH die europäischen Partnernetzwerke aus und leitete für be2 als Regional Manager das operative Geschäft in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Peters begann ihre Karriere als Beraterin bei Accenture und war anschließend als Principal bei der Boston Consulting Group in München, Paris und New York tätig, wo sie langjährige Erfahrungen mit digitalen Geschäftsmodellen sowie dem Management von Veränderungsprozessen sammelte.
In der Praxis wird die Digitalisierung häufig aus einzelnen Abteilungen heraus getrieben. Das führt zu teuren Patchwork-Lösungen, die den Digitalisierungsprozess unnötig verzögern. Der erste und wichtigste Schritt in der digitalen Transformation ist deshalb die Entwicklung einer übergreifenden digitalen Vision.
Wie wird die Digitalisierung die Arbeitswelt verändern?
Wie wird die Digitalisierung die Arbeitswelt verändern?
Foto: gjee - shutterstock.com

Ein Leben ohne Smartphone, arbeiten ohne PC? Das alles können wir uns heute kaum noch vorstellen. Wie haben sich die Menschen früher miteinander verabredet, wie Geschäfte abgewickelt, wie eingekauft, wie gearbeitet?

Der technische Fortschritt hat fast unbemerkt unser Leben, unser Verhalten und unsere Kommunikation tiefgreifend beeinflusst. Wir empfangen und verarbeiten politische Nachrichten, Informationen, Meinungen, Bilder und virtuelle Realitäten auf unseren mobilen Geräten in Echtzeit. Roboter sind die neuen Kollegen der Zukunft und die Grenzen zwischen Privatem, Öffentlichem und Geschäftlichem verschwimmen. Drehen wir die Zeit ein Stück weiter, werden wir vielleicht schon in wenigen Jahren darüber lächeln, welche Revolution, aber auch Irritation das Thema Digitalisierung ausgelöst hat.

Die wissenschaftlichen Prognosen sind ebenso vielfältig wie konträr. Niemand kann zuverlässig sagen, wie die Digitalisierung die Arbeitswelt verändert, niemand kann zuverlässig beurteilen, welche Geschäftsmodelle, welche Organisationsstrukturen sich durchsetzen und welche vom Markt verschwinden werden.

Die jungen Wilden unter den Start-ups überholen – kaum gegründet – große etablierte Konzerne, und machen alt eingeführte Geschäftsmodelle mit einem Federstrich zu Makulatur. Was vor kurzem noch undenkbar war, setzen die Kunden von heute schon als Standard voraus.

Die Vernetzung und Digitalisierung erfasst dabei nicht nur die Kommunikation über Laptops, Smartphones und Tablets, sondern sämtliche Geschäftsprozesse und Maschinen bis hin zum Internet of Things. Kein Wunder, dass Goldgräberstimmung und Verunsicherung eng beisammen liegen und viele Entscheider angesichts der Komplexität und Dynamik die Digitalisierung nur halbherzig vorantreiben. Sicherheit entsteht dann, wenn klar ist, was zu tun ist und warum etwas zu tun ist. Für Unternehmen ist es deshalb überlebenswichtig, den Transformationsprozess in sinnvolle Arbeitspakete zu gliedern und zu strukturieren.

Schritt eins: die Antriebsachse Digitale Vision

Aus der Praxis ist zu erkennen, dass in vielen Unternehmen innovative Impulse und Digitalisierung aus einzelnen Abteilungen heraus getrieben werden. Das führt häufig zu teuren Patchwork-Lösungen, die den Digitalisierungsprozess unnötig verzögern und letztlich nicht die Erfolge erzielen, die möglich wären.

Einen standardisierten Masterplan für die Digitalisierung gibt es nicht, wohl aber eine erfolgreiche Methodik, den Digitalisierungsprozess Schritt für Schritt ins Rollen zu bringen. Der erste und wichtigste Schritt ist deshalb die Entwicklung der digitalen Vision. Und diese Vision braucht Substanz und Entscheiderpersönlichkeiten, die mit Mut, Weitblick und Transparenz alle Beteiligten im Unternehmen in den Prozess integrieren.

Jedes Unternehmen hat seine ganz individuelle Marktposition, seine Kernkompetenzen, gewachsenen Strukturen und Prozesse, die in die digitale Vision einfließen. Zunächst muss analysiert werden, welche strategischen Ziele das Unternehmen hat, wie die Ausgangssituation ist, wo bereits Digitalisierungsprozesse umgesetzt werden, welche Trends und neuen Märkte am digitalen Horizont entstehen, welche Relevanz sie für das individuelle Business haben und was die Kunden erwarten.

Die digitale Vision steht dabei wie die Antriebsachse eines Rades im Zentrum des Handelns. Das sogenannte Transformation Wheel soll dabei helfen, den digitalen Transformationsprozess für Unternehmen zu vereinfachen. Die digitale Vision ist klar in den Mittelpunkt des Transformationsprozesses zu stellen, da dadurch Akzeptanz und Durchsetzungskraft gestärkt und Kosten gespart werden.

Andere erfolgsrelevante Handlungsfelder wie Tools, Commitment, Agilität, Networking, Unternehmenskultur und Innovation werden wie die Speichen eines Rads an dieser Achse ausgerichtet. Die Bündelung der Kräfte im Dienste einer definierten digitalen Vision, setzt im Unternehmen neue Energien und Innovationsimpulse frei.

Checkliste für digitale Visionen

1. Warum wollen Sie Ihr Unternehmen digital transformieren? Nur, wenn Sie selbst wissen, warum Sie den Weg gehen, können Sie Mitarbeiter und Kunden motivieren und begeistern.

2. Wie leitet sich Ihre Vision aus Ihrem bisherigen Geschäftsmodell ab? Wie können Ihre Mitarbeiter, Kunden und Geschäftspartner den Schritt als konsequente Weiterentwicklung verstehen?

3. Welche überzeugenden Argumente liefert Ihre digitale Vision und welche konkreten Ziele zeigt sie auf?

4. Wie wird Ihre Vision auf allen Ebenen Ihres Unternehmens und in allen Unternehmensbereichen kommuniziert?

5. Wie stehen Mitarbeiter, Kunden und Geschäftspartner zu Ihrer Vision?

6. Wie offen ist Ihre Vision für neue Entwicklungen und Veränderungen?

Antriebskraft digitale Vision

Best-Practice-Beispiele zeigen, welche wirtschaftliche Antriebskraft in einer unternehmensweiten digitalen Vision steckt, die nicht nur Top-Down-Ideen formuliert, sondern durch tragfähige Maßnahmen, unternehmensweit alle Bereiche durchdringt.

Das Unternehmen Nordstrom, die in Seattle sitzende Kaufhaus- und Versandhauskette für Fashion und Lifestyle, hat mit einer überzeugenden Vision Geschichte geschrieben. Ziel war die Stärkung der Kundenloyalität und der Ausbau des Neukundengeschäfts durch den kompromisslosen Fokus auf digital gestützten Kundenservice. Nordstrom punktete dabei mit einem durchgängigen Transformationskonzept, das die gesamte Customer-Journey einbezog.

Mit Entschlossenheit hat das Management den Prozess vorangetrieben. Im Jahr 2014 flossen rund 30 Prozent der gesamten Investitionskosten in neue kundenorientierte Technologien, die operative Systeme sowie Retail und Vertriebssysteme integrierten und die gesamte Lieferkette, vom Kauf bis zum Rücklauf und zur Rechnungsabwicklung für den Kunden einfach und unkompliziert gestalteten.

Ein überzeugendes Multichannel-Konzept, eine enge Verzahnung von Online-Offline Shopping durch intelligente Apps, Touchscreens und neue POS-Systeme sowie Investitionen in komplementäre E-Commerce-Companies, waren einige der technischen Stellschrauben, die der Vision "Umsatzsteigerung durch Service-Kompetenz" das notwendige Momentum gaben. Parallel richtete das Management kreative Innovation-Labs ein, um den Erneuerungsprozess dauerhaft im Unternehmen zu verankern.

Ergänzt durch systematische Datenauswertungen hat sich Nordstrom schnell zur Nummer eins unter den Retailern etabliert. Positive Erfahrungen, schnelle Abwicklung und die Verdichtung der Kundenkontakte haben die Empfehlungsmaschinerie in Gang gesetzt.

Wie man sehen kann, ist die digitale Vision nicht einfach da, vielmehr muss sie erarbeitet werden. Dazu muss man auch über den Tellerrand hinausblicken und sehen, was sich in der eigene Branche aber auch in anderen Segmenten bewegt. Eine tragfähige Vision basiert auf harten Fakten. Die Analyse des Status quo, der eigenen Kernkompetenzen gehört ebenso dazu, wie der Vergleich mit der Peer-Group und branchenfremden Playern. (haf)

Lesetipp: Digitalisierung am Point of Sale (PoS)