IBM-Chefin Köderitz

"Wir sehen eine Verschiebung des Portfolios"

Heinrich Vaske ist Editorial Director a.D. von COMPUTERWOCHE, CIO und CSO.

Bekenntnis zu Lotus Notes

Können Sie den Kunden garantieren, dass die Notes-Produktwelt auf Dauer weiter entwickelt und gepflegt wird?

Köderitz: Ja. Wir sind ja auch selbst ein großer Anwender.

Wenn man sich das IBM-Angebot insgesamt ansieht, gewinnt man den Eindruck, dass Sie das Softwaregeschäft überproportional ausbauen. Ihre CEO Virginia Rometti hat ja auch angekündigt, dass im Softwarebereich bestimmte Themen intensiver angegangen werden sollen, zum Beispiel Security und Social Business. Ist IBM bald nur noch ein Softwarehaus?

Köderitz: In unserer Financial Roadmap haben wir aufgezeigt, dass wir bis 2015 die Hälfte unseres Profits aus dem Softwaregeschäft erwarten. Viele der Herausforderungen, die wir heute adressieren, lassen sich nur mit intelligenten Softwarelösungen angehen. Für Big Data und Analytics braucht es intelligente Lösungen. Wir bringen das zusammen, zum Beispiel mit PureSystems, um die Big-Data-Herausforderung anzunehmen. Wir haben intelligente Softwarelösungen, um entsprechende Architekturen aufzubauen und große Datenmengen zu analysieren.
Und dann haben wir in unserem Dienstleistungsgeschäft das Wissen, diese analytischen Erkenntnisse in die Geschäftsprozesse unserer Kunden zu integrieren – denn darum geht es ja: Daten zu analysieren, um schneller, besser neue Erkenntnisse zu haben, die der Kunde in seinen Geschäftsprozessen und -vorfällen quasi in Echtzeit verwenden kann. Die Softwarelösungen sind eigentlich die bestimmende Komponente, wenn es darum geht, innovative, kreative Gesamtlösungen in einer vernetzten Social- und globalen Welt zu entwickeln.

Wie sehen Sie die Zukunft Ihrer Infrastruktursoftware, insbesondere der Middleware, wenn der Trend im Markt zu einer Reduzierung der Fertigungstiefe, zu Cloud Computing und zu Buy statt Make geht?

Köderitz: Es gibt genügend große, global agierende Unternehmen, die IT als eine Kernkompetenz sehen. Sie wollen damit ihre Geschäftsprozesse weiterentwickeln. Es geht hier eher um die Diskussion, bis zu welcher Fertigungstiefe dieses strategische Asset weiter getrieben werden soll. Analysten sagen, dass im Jahr 2020 rund 70 bis 80 Prozent der Cloud-Services aus ein paar wenigen sehr großen Cloud-Rechenzentren geliefert werden. Das werden Megarechenzentren sein, und Leistung und Art dieser Services wird darüber entscheiden, wer sich wie positioniert. Sicherheit und Zuverlässigkeit sind dabei besonders wichtig.

Das Großrechnergeschäft wird seit vielen Jahren totgesagt, hat sich aber bislang hartnäckig behauptet. Was erwarten Sie in den nächsten Jahren?

Köderitz: 2012 war das erfolgreichste Jahr im Mainframe-Umfeld seit langem. Wir hatten eine erfolgreiche Einführung neuer Z-Modelle. Am Ende geht es um die intelligente und effiziente Verarbeitung von Daten, und der Mainframe war und ist der klassische Data- und Transaction-Hub. Wir haben viel investiert in die Mainframe-Technologie, auch um sie in Richtung Linux und Open Standards zu öffnen. Die Kunden erkennen das; gerade in den Wachstumsmärkten gibt es manche Unternehmen, die sich erstmalig mit dem Mainframe beschäftigen. Es ist eine ganz bedeutende Plattform, wenn wir über Big Data und Analytics reden, und wir wollen sie konsequent weiter entwickeln.

Es gab im letzten Jahr Schlagzeilen über einen größeren Personalabbau bei IBM Deutschland. Wie ist der Status quo?

Köderitz: Ich habe das im vergangenen Jahr vor der CeBIT dementiert. Dazu ist alles gesagt, was es zu sagen gibt. Es hat sich nichts geändert.

Zur Startseite