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Hyperconverged Systems

Hyperkonvergenz ist im Markt angekommen

Peter Marwan lotet kontinuierlich aus, welche Chancen neue Technologien in den Bereichen IT-Security, Cloud, Netzwerk und Rechenzentren dem ITK-Channel bieten. Themen rund um Einhaltung von Richtlinien und Gesetzen bei der Nutzung der neuen Angebote durch Reseller oder Kunden greift er ebenfalls gerne auf. Da durch die Entwicklung der vergangenen Jahre lukrative Nischen für europäische Anbieter entstanden sind, die im IT-Channel noch wenig bekannt sind, gilt ihnen ein besonderes Augenmerk.
Der Markt für Hyperconverged Systems (HCI) boomte 2018. Nachdem zunächst spezielle Einsatzgebiete Erfolg versprachen, wird die Technik nun als Allheilmittel für den Mittelstand gehandelt.

Von Komplettanbietern, die Hard- und Software im Segment "Hyperkonvergente Infrastruktur" liefern, stufen Marktforscher Nutanix, Dell EMC und HPE als führend ein. Als reiner Softwarelieferant komplettiert VMware das Spitzenquartett. Cisco hinkte mit seiner ansonsten erfolgreichen Server-Sparte zunächst etwas hinterher, hat aber nach Auffassung von Gartner im Lauf des Jahres 2018 sowohl technisch als auch in Hinblick auf die Sichtbarkeit im Markt aufgeholt. Lenovo deckt den Bereich durch eine Kooperation mit Nutanix ab, Hitachi Vantara hat mit seiner Hitachi Unified Compute Platform (UCP) Ambitionen, aber erst wenig Erfolge. Auch Huawei hat noch nicht richtig Fuß gefasst. Fujitsu und Netapp (mit der Produktreihe FlexPod) sind ebenfalls vertreten.

Hyperconverged Systems vereinen wichtige Storage- und Computing-Funktionen in einer hochgradig virtualisierten Gesamtlösung.
Hyperconverged Systems vereinen wichtige Storage- und Computing-Funktionen in einer hochgradig virtualisierten Gesamtlösung.
Foto: Kubko - shutterstock.com

Wie sich der Markt genau aufteilt, hängt allerdings von Perspektive und Definition ab. Denn die eigentlich recht unterschiedlichen Begriffe Converged, Certified Reference Architecture (CRA) und Hyperconverged werden oft gleichbedeutend benutzt. Hilfreich bei der Unterscheidung ist die von IDC verwendete Terminologie. Die Marktforscher fassen alle drei Segmente sowie die Bereiche "Integrated Infrastructure" und "Integrated Platforms" unter dem Dachbegriff "Converged Systems" zusammen.

CRA und integrierte Infrastruktur sind ab Werk integrierte, herstellerspezifische Systeme mit Server-Hardware, Disk-Storage-System, Netzausrüstung und grundlegenden Management-Funktionen. Unter Integrated Platforms versteht IDC Komplettsysteme, die angepasst und zusammen mit zusätzlicher, vorinstallierter Software für bestimmte Aufgaben ausgelegt sind, etwa für den Betrieb von Datenbanken.

Converged oder Hyperconverged?

Hyperconverged Systems vereinen der IDC-Definition zufolge wichtige Storage- und Computing-Funktionen in einer hochgradig virtualisierten Gesamtlösung. Sie unterscheiden sich von anderen integrierten Systemen zudem dadurch, dass sie alle Rechen- und Storage-Funk­tionen auf Grundlage derselben x86-basierenden Geräte bereitstellen und sich die Kapazität durch Hinzufügen weiterer Geräte leicht erweitern lässt ("Scale-out-Architektur").

VMware ist in dem Umfeld ein wichtiger Anbieter, weil viele Hardwarelieferanten seine Hypervisor- und Virtualisierungstechnik nutzen. Größte Ausnahme ist Nutanix, das mit dem auf Open Source basierenden AHV einen eigenen Hypervisor entwickelt hat. Er ist Teil des Acropolis Enterprise Cloud OS des Anbieters, wodurch sich Installation, Verwaltung und Lizenz-Management weiterer Software erübrigen.

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Das gesamte Marktsegment Converged Systems legt laut IDC seit mehreren Quartalen im Vergleich zum Vergleichsquartal des Vorjahres kontinuierlich um mindestens zehn Prozent zu. Den letzten veröffentlichten Zahlen zufolge summierte sich der Umsatz in dem Segment im zweiten Quartal 2018 weltweit auf 3,5 Milliarden Dollar.

Während der Umsatz mit integrierten Referenzsystemen, integrierten Infrastrukturen und Converged Systems zwischen zwölf und 14 Prozent zurückging, legte das Geschäft mit Hyperconverged Systems um 78 Prozent zu. Es ist also eindeutig die treibende Kraft in dem Segment. Der Gesamtumsatz in dieser Produktkategorie lag zuletzt bei 1,45 Milliarden Dollar.

Angesichts der Wachstumsraten dürfte sich das Kräfteverhältnis aber inzwischen weiter zugunsten hyperkonvergenter Systeme verschoben haben. Damit spielt das Produktsegment auch für den IT-Channel eine immer wichtigere Rolle. Die wichtigsten Anbieter von Komplettsystemen sind Dell und Nutanix mit rund 29 und 19 Prozent Marktanteil gemessen am Umsatz. Cisco und HPE folgten mit jeweils rund fünf Prozent, wobei sich allerdings bei HPE der erste, extrem starke Schub nach der Übernahme von Simplivity schon wieder abschwächte - auch wenn es immer noch ein deutlich höheres Wachstumstempo als Cisco vorlegen konnte.

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Die andere neue, stark wachsende Produktkategorien wurden auch Hyperconverged Systems als allein selig machende Lösung und Totengräber traditionellerer Ansätze gefeiert. Das ist aber übertrieben. "Hyperkonvergente Systeme eignen sich am besten in Umgebungen, wo viele standardisierte Dienste hochverfügbar und mit bestmöglicher Performance bereitgestellt werden, zum Beispiel Terminal-Server, virtuelle Desktop-Infrastrukturen, Warenwirtschaftssysteme, Datenbanken oder CRM-Systeme", sagt Bogdan Kruszewski, Produktmanager bei Bluechip.

HCI als Lösung aller Probleme?

"Weil bei einer HCI-Lösung die gesamte Infrastruktur durch eine Software verwaltet wird, ist eine HCI-Lösung einfacher zu betreiben als die einzelnen Komponenten sowie deren Schnittstellen untereinander bei einer traditionellen Infrastruktur", ergänzt Harald Will, Managing Consultant bei der TIM AG. "Somit werden die Administratoren bei der täglichen Arbeit entlastet und können sich neuen Aufgaben widmen." Das sei angesichts zunehmender Aufgaben für die IT-Abteilungen und der Schwierigkeit, qualifizierte Mitarbeiter für diese Aufgaben zu finden, ein nicht zu unterschätzender Aspekt.

Diesen Punkt findet auch Oliver Walla, Manager vSan Central Europe bei VMware, wichtig. "Hyperconverged Infrastructure kann alles, was traditioneller Storage kann - bei höherer Performance, einfacherer Skalierbarkeit und niedrigeren Gesamtkosten. Der deutlich vereinfachte Betrieb und die damit einhergehende weitgehende Automatisierung hilft der IT, in kürzerer Zeit mehr zu leisten."

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Alex Best, Director Technical Business Development bei Datacore, schränkt allerdings ein, dass hyperkonvergenten Systemen die Flexibilität fehle, die Administratoren künftig in IT-Umgebungen benötigen. "Nur eines von vielen Beispielen wäre, dass solche Systeme meist in sich geschlossene Instanzen sind. Deshalb heißt es bei einer Skalierung, dass sowohl Compute, Netz wie auch Storage erweitert wird, obwohl aus Performance- oder Speicherplatzgründen vielleicht nur eine dieser Komponenten erweitert werden muss."

Dazu Thomas Kleinkuhnen, Director Enterprise Infrastructure, Tech Data Advanced Solutions: "Hyperconverged Systeme bestehen heute sehr häufig aus Appliances, die zwar skalieren, aber dennoch eine relativ starre Architektur haben. Wer eine größtmögliche Flexibilität in der Kombination aus CPU, Speicher und Netzwerk haben möchte, wird Stand heute zumindest in Teilen auf der herkömmlichen Architektur bleiben." Sicher sei aber auch, dass der Anteil an HCI-Systemen weiter wachse.

Für Angelika Stiehl, Business Development Manager Application Delivery und Data Center bei der Controlware GmbH, sind HCI-Systeme für den Aufbau einer Private Cloud immer die beste Wahl: "Der für den Self-Service-Gedanken einer Private Cloud notwendige Automationsgrad ist mit einer traditionellen 3-Tier-Architektur praktisch nicht erreichbar, da zu viele Parameter zu berücksichtigen sind, die sich zudem auch ständig verändern."

Laut Michael Pangritz, Business Development Manager Nutanix bei ADN, können hyperkonvergente Systeme das Management und die Administration von Infrastrukturen insbesondere in hybriden Szenarien vereinfachen und vereinheitlichen. "HCI-Systeme können es Organisationen außerdem schneller ermöglichen, digitale Lösungen an den Start zu bringen beziehungsweise Prozesse zu digitalisieren."

Das sei wichtig, weil es für Unternehmen künftig nicht nur darum gehe, Anwendungen stabil bereitzustellen, sondern auf neue, wechselnde IT-Anforderungen im Rahmen der digitalen Transformation dynamisch reagieren zu können. Dem stimmt Stefan Weber, Manager Hybrid IT Growth Team bei Hewlett Packard Enterprise, zu: "Hyperkonvergente Systeme lösen sicher nicht alle Herausforderungen des Mittelstands. Sie tragen jedoch dazu bei, sicher und schnell effiziente, hochverfügbare und agile IT-Architekturen bereitzustellen - nicht nur für den Mittelstand, sondern durchaus auch für größere Konzerne in dedizierten Projekten."