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Der Prozess des Design Thinking

Ideen entwickeln und Probleme lösen



Christoph Herzog arbeitet als Content Marketing Manager bei der Haufe Gruppe. Der Literatur- und Kulturwissenschaftler interessiert sich vor allem für die Berührungspunkte von (Arbeits-) Kultur und Technologie: Wie verändert die Digitalisierung unsere Art zu arbeiten? Und welche Chancen und Herausforderungen ergeben sich daraus?
Hier finden Sie die Definition von Design Thinking und wie Unternehmen mit Hilfe dieser Methode auf kreativem Weg Lösungen für Kunden und Anwender entwickeln können.

Wenn Ihre Geschäfte stagnieren, dann haben Sie vielleicht einfach noch nicht genug ausprobiert. Und dann kommt Design Thinking gerade recht. Denn diese Form des „betreuten Denkens“ zielt darauf ab, neue Ideen und Problemlösungen hervorzubringen.

Design Thinking ist eine Methodik zur Entwicklung praktischer und kreativer Problemlösungen.
Design Thinking ist eine Methodik zur Entwicklung praktischer und kreativer Problemlösungen.
Foto: Benevolente82 - shutterstock.com

Eine Gruppe von Mitarbeitern und – idealerweise – auch Kunden trifft sich hierbei zu einem moderierten Austausch. Dabei wechseln sich freies Denken und Analyse ab. Durch diesen Wechsel von Intuition und strenger Auswertung wird der Ablauf designt - daher der Name.

Das Ergebnis dieses Prozesses kann zum Beispiel ein erster Prototyp sein. Aus dem herphantasierten Lösungsbild wird etwas „greifbares“, ein Rohling. Dieser veranschaulicht die entstandenen Ideen und ist zugleich selbst Ausdruck des Lernprozesses, da er sich ständig verändern kann.

Design Thinking – Eine Definition

Was ist Design Thinking nun aber genau? Per Definition ist Design Thinking eine Methodik zur Entwicklung praktischer und kreativer Problemlösungen. Dazu soll kreatives Denken begünstigt, gefördert und zielorientiert eingesetzt werden. Komplexe Probleme oder Aufgabenstellungen werden dabei im Team systematisch gelöst. Design Thinking beruht auf der Annahme, dass Probleme besser gelöst werden, wenn Menschen unterschiedlicher Disziplinen zusammenarbeiten.

Eine zentrale Vorgabe ist, dass die entwickelten Konzepte immer den Anwender-Nutzen im Fokus haben. Das Ziel ist eine positive User Experience. Im Verlauf des Design-Thinking-Prozesses werden die Konzepte mehrfach geprüft, verworfen und weiterentwickelt. Mit dem Einsatz von Design Thinking können Unternehmen sicherstellen, dass sie zugleich kreativ, innovativ und nah an ihren Kunden bleiben.

Heute können wir außerdem beobachten, dass der Begriff „Design Thinking“ eine Bedeutungserweiterung erfährt. Über die Innovationsmethode für Produkte und Services hinaus steht der Begriff mittlerweile für eine neue Art, Arbeit zu denken. Die Attraktivität von Design Thinking besteht darin, neue Formen der kreativen Zusammenarbeit zu ermöglichen: An die Stelle des „Herrschaftswissens“ tritt eine Wir-Intelligenz. Zusammenarbeit wird zur Grundlage für ein neues Arbeitsbewusstsein.

Nur etwas für Querdenker und Trendsetter?

Für sprudelnde Kreativität kann es natürlich keine Garantie geben. Die richtige Atmosphäre und die passenden Methoden vorausgesetzt, ist Design Thinking jedoch nicht nur für Querdenker ein passender Ansatz. Wichtig für die räumliche Umgebung ist nicht nur viel (Tages-)Licht und Platz, sondern auch Flexibilität. Die Whiteboards, Tische und wenn möglich sogar Trennwände sollten sich je nach den Anforderungen des Workshops verschieben lassen.

Wenn beim Prototyping Ideen materialisiert werden, könnte das vorschnell als „Bastelstunde für Erwachsene“ abgetan werden. Das trifft die Sache jedoch nicht ganz. Es ist sehr sinnvoll, Ideen zu materialisieren – sei es mithilfe von Lego-Steinen oder sonstigem Bastelmaterial – um sie für die anderen Teilnehmer des Prozesses im wörtlichen Sinne „begreifbar“ zu machen. Mithilfe der Prototypen wird Feedback von Stakeholdern und vor allem Kunden eingeholt. So wird der Design-Thinking-Prozess zur Werkstatt für Neues.

Prototyping ist mehr als eine Bastelstunde für Erwachsene.
Prototyping ist mehr als eine Bastelstunde für Erwachsene.
Foto: Studio Peace - shutterstock.com

Ideen werden schon möglichst früh im Innovationsprozess mit dem Kunden ausprobiert. So gewinnt das Unternehmen wertvolle Einblicke aus dessen Sichtweise und kann Schwächen aufdecken. Dabei gilt das Motto „Fail often and early“. Dieses „frühe Scheitern“ führt durch die gewonnenen Lehren zu einem besseren Endergebnis und spart dem Unternehmen auf lange Sicht wertvolle Ressourcen.

Die vier Phasen des Design Thinking

Die Teams bei Design-Thinking-Workshops sind multidisziplinär. Mitarbeiter aus ganz unterschiedlichen Bereichen machen sich gemeinsam auf die Suche nach neuen Lösungen. Ideal ist es, wenn auch Kunden direkt am Prozess beteiligt werden. Wichtig ist, dass eine möglichst störungsfreie Atmosphäre geschaffen wird.

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Der Prozess läuft schrittweise ab: Versuch und Irrtum wechseln sich ab – und jeder Irrtum bringt Erkenntnisse, die den Prozess voranbringen. Grundsätzlich kann man einen Design-Thinking-Prozess immer in die folgenden Phasen einteilen:

1. Beobachten, verstehen und einfühlen
Design Thinking fängt stets beim Menschen an. Welche Trends gibt es und wie beeinflussen sie die eigenen Themen? Zudem gilt es in dieser ersten Phase, die Motivation und Bedürfnisse des (potenziellen) Kunden zu verstehen. Es geht hier darum, sich – mittels Empathie aber auch mithilfe von Befragungen und erhobenen Daten – möglichst gut in den Kunden hineinzuversetzen.

  • Kann man nachvollziehen, wieso er etwas tut oder nicht tut?

  • Kann man nachvollziehen, wieso er etwas bevorzugt oder ablehnt?

  • Gibt es wichtige Impulse zur Entwicklung von Produkten, Dienstleistungen und Geschäftsstrategien?

2. Sichtweise definieren
Im zweiten Schritt geht es darum, Struktur in die Erkenntnisse zu bringen, die in Phase 1 gewonnen wurden. Gerade im frühen Stadium ist es entscheidend, Schlüsselfiguren zu identifizieren und mithilfe verschiedener Techniken das Problem aus deren Sichtweise einzugrenzen. Nur wenn das Team Verständnis für den potentiellen Nutzer entwickelt, ist Design Thinking überhaupt zielführend.

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3. Ideen generieren
Sobald das Hauptproblem definiert ist, werden in der Diskussion Ideen gesammelt. Im Projektteam werden dazu mehrere Brainstorming-Sitzungen durchgeführt. Die entwickelten Ideen werden anhand von drei kritischen Faktoren beurteilt:

  • menschliche Erwünschtheit (desirability),

  • wirtschaftliche Rentabilität (viability) und

  • technologische Machbarkeit (feasibility).

4. Prototyping testen
Das Prototyping dient dazu, die generierten Ideen und das Konzept dahinter zu überprüfen. Der Prototyp hat die wichtigsten Eigenschaften des neuen Produkts oder Services. Er kann schon ein ganz klarer Entwurf sein oder auch ein Rollenspiel, das Erfahrungen eines Nutzers simuliert. Das Ausprobieren der Ideen soll Feedback hervorrufen, das hilft, die Ideen weiter zu verbessern. Ideenfindung und Prototyping sind als Zyklus zu sehen, der mehrfach abläuft.

Ob mit Lego, Knete oder dem 3D-Drucker – Ideen werden beim Prototyping anfassbar.
Ob mit Lego, Knete oder dem 3D-Drucker – Ideen werden beim Prototyping anfassbar.
Foto: Siemens

In einigen Ansätzen werden die erste und letzte Phase dieses Modell noch einmal aufgeteilt, so dass wir hier sechs statt vier Phasen finden.

Methode des Design Thinking

Durch den gesellschaftlichen Wandel und die umfassende Digitalisierung werden sowohl die Lebenswelt der Menschen als auch die wirtschaftlichen Herausforderungen für Unternehmen immer dynamischer und komplexer. Design Thinking ist eine Art, mit diesen Aufgaben umzugehen.

Design Thinking als Methode zeichnet sich dadurch aus, dass sie versucht, bisherige Grenzen des Innovationsmanagements aufzulösen. Im Wesentlichen kommen dabei die „drei P“ „People“, „Place“ und „Process“ zum Einsatz:

  • People: Fachgrenzen spielen beim Design Thinking keine Rolle. Stattdessen sind die Teams multidisziplinär zusammengesetzt. Dadurch kommt zum einen Expertise aus unterschiedlichen Bereichen (z.B. Engineering, Marketing, Design etc.) zusammen.
    Zum anderen entstehen Reibungspunkte und Ideen können aus unterschiedlichen Perspektiven überprüft werden. Gleichzeitig impliziert dies schon: Design Thinking ist Teamarbeit! Teams agieren schneller, nutzen ihre kollektive Intelligenz besser und kommen so auf erstaunliche Resultate. Software-Tools wie zum Beispiel ein Social Intranet können diese kollaborative Art der Arbeit auch abseits von Workshops im Unternehmen verankern.

  • Place: Damit sich Ideen ideal entfalten können, setzt Design Thinking auf freie und flexible Arbeitsumgebungen. Das heißt, Räume können spontan auf die Bedürfnisse des jeweiligen Projektes angepasst werden, etwa durch variable Trennwände und leicht bewegliches Mobiliar. Wände und andere Oberflächen werden genutzt, um Gedanken zu visualisieren und Arbeitsergebnisse zu teilen.

  • Process:Je nach Definition läuft der Innovationsprozess in vier oder sechs iterativen Phasen ab (siehe oben). Essentiell ist dabei eine offene Fehlerkultur, damit Erkenntnisse aus dem Prototyping verwertet werden können.
    Zudem soll der Prozess dazu anregen, auch aktuell als unmöglich betrachtete Lösungswege in Betracht zu ziehen. Der Wechsel aus Ideenfindung und Analyse spricht den kompletten Denkapparat der Beteiligten an: Den analytischen sowie den kreativ-intuitiven Teil.

Wieso ist Design Thinking in der Software-Branche so angesagt?

Gerade in der Software-Branche und der IT sind kurze Innovationszyklen und eine schnelle Bereitstellung von Lösungen wichtig. Durch Design Thinking können Anforderungen identifiziert und das User Engagement für einen Transformationsprozess vorangetrieben werden. Use Cases und Nischen können rasch gefunden und definiert werden. Agile Softwareentwicklung involviert fast unvermeidbar auch Design Thinking.

Diese Methodik unterstützt die Softwareentwicklung besonders bei einer ihrer größten Herausforderungen: dem Requirement Engineering. In den meisten Unternehmen kommen zwar die Anwender zu Wort – doch ihre Wüsche, Anregungen und Probleme landen bei der IT-Abteilung. Und hier gibt es häufig ein Kommunikationsproblem: Den Anwendern fällt es schwer, ihr Anliegen auszudrücken. Die Techniker wiederum sprechen eine andere Sprache und haben schnell eine perfekte Lösung im Kopf. Bloß hat diese nicht unbedingt etwas mit den ursprünglichen Anforderungen zu tun. Heraus kommt eine technisch wohldurchdachte Lösung, die jedoch nicht den erhofften Nutzen bringt, da sie keiner nutzen will.

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Design Thinking versucht dagegen, einen kontinuierlichen Dialog sicherzustellen. Alle internen oder auch externen Kunden werden an der Lösungsfindung beteiligt. Und das unabhängig von ihrer Abteilung oder ihrem Status. Mit möglichst niedrigem Aufwand wird ein Problem betrachtet und mögliche Lösungsansätze entwickelt, die in einem „Minimum Viable Product“ resultieren.
Auf dieser Basis wird im steten Diskurs mit allen Beteiligten weiterentwickelt. Die Kombination von Design Thinking (zur Ideenfindung) und agiler Softwareentwicklung (zum Projektmanagement) ist daher eine erfolgsversprechende Alternative zum klassischen Requirement Engineering.