Sanierungsverfahren eingeleitet

Österreichische Elektrokette DiTech ist insolvent



Matthias Hell ist Experte in Sachen E-Commerce und Retail sowie ein Buchautor. Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge in renommierten Handelsmagazinen und E-Commerce-Blogs. Zuletzt erschien seine Buchveröffentlichung "Local Heroes 2.0 – Neues von den digitalen Vorreitern im Einzelhandel".
Mit weit über 100 Millionen Euro Umsatz ist der österreichische Multichannel-Händler DiTech alles andere als ein Leichtgewicht. Nun leitet das Unternehmen ein Sanierungsverfahren zur Abwendung einer Insolvenz ein. Der Fall erinnert an mStore – aber auch an die aktuellen Probleme von Cyberport.
DiTech-Gründer Damian Izdebski räumt offen seine Fehler ein.
DiTech-Gründer Damian Izdebski räumt offen seine Fehler ein.

Vor einem halben Jahr hatte der österreichische Multichannel-Händler DiTech glaubhaft versichert, zwischenzeitliche finanzielle Schwierigkeiten überwunden zu haben (ChannelPartner berichtete). "Nach einem starken Investitionsjahr ist es zu kurzzeitigen Liquiditätsengpässen gekommen, die aber weder substanziell gefährdend, noch branchenunüblich sind", erklärte Firmenchef Damian Izdebski damals in einer Blog-Mitteilung. Gleichzeitig kündigte der DiTech-Gründer an, den Umsatz 2013 von 120 Millionen Euro auf 150 Millionen zu steigern und in fünf Jahren sogar die Umsatzschwelle von 200 Millionen Euro – selbst auf dem deutschen Markt wäre das eine beachtliche Größe – knacken zu wollen.

Nun meldet sich Izdebski erneut mit einem offenen Brief zu Wort und gibt die Einleitung eines Sanierungsverfahrens für sein Unternehmen bekannt. Das Verfahren zur Abwendung der Insolvenz werde im Laufe dieser Woche beim Handelsgericht Wien angemeldet. Begleitet von einem Sanierungsverwalter und externen Restrukturierungsspezialisten würden einige, vor allem kleinere Filialen geschlossen und die Logistik- sowie die Firmenzentrale verkleinert. Insgesamt würde in diesem Zusammenhang die rund 300-köpfige Belegschaft von DiTech um 60 bis 80 Mitarbeiter reduziert. DiTech wurde 1999 von Izdebski und seiner Frau gegründet und etablierte sich zunächst als Online-Händler. In den letzten fünf Jahren verstärkte das Unternehmen seine Anstrengung zum Aufbau eines stationären Filialnetzes und betreibt heute österreichweit 22 Standorte.

"Ich habe versäumt, das Wachstum nachhaltig abzusichern"

In der Ankündigung des Sanierungsverfahrens beschreibt Izdebski mit großer Offenheit und gutem analytischen Verstand die Gründe für die Schieflage seines Unternehmens: "Ich habe mich vom Erfolg des DiTech-Konzeptes und dem damit einhergehenden Wachstum blenden lassen und unterschätzt wie wichtig es ist, dieses enorme Wachstum nachhaltig finanziell abzusichern." Von der Größe her betrachtet, müsste sein Unternehmen eigentlich einen Lagerbestand von rund 15 Millionen Euro haben um die enorme Nachfrage unserer Kunden bedienen zu können, so der Firmenchef. "Seit Sommer 2013 arbeitet DiTech allerdings mit einem Lagerbestand von lediglich circa 5 bis 7 Millionen Euro. Die dadurch verursachten Umsatzrückgänge waren zwar nicht groß, aber verbunden mit immer geringer werdenden Margen und einer auf Wachstum ausgerichteten Kostenstruktur haben sie zu sehr großen Verlusten in den beiden letzten Jahren geführt."

Mit dem Sanierungsverfahren habe DiTech nun drei Monate Zeit, um durch eine Restrukturierung die nötige Effizienz wiederzuerlangen. "In Zeiten, in den ein Elektronikhändler 150 Smartphones oder Tablets verkaufen muss, damit das Monatsgehalt eines einzigen Verkaufsmitarbeiters bezahlt werden kann, werden nur Unternehmen überleben, die extrem effizient und produktiv sind", so Izdebski. Wie ein Firmensprecher dem österreichischen Fachmagazin Elektrojournal mitteilte, würden bereits Gespräche mit Banken und einem potenziellen Investor geführt.

Parallelen zur Entwicklung auf dem deutschen Markt

Parallelen zu mStore und Cyberport: der DiTech-Flagshipstore in der Wiener Shopping City Süd
Parallelen zu mStore und Cyberport: der DiTech-Flagshipstore in der Wiener Shopping City Süd

Die Insolvenzanmeldung von DiTech weckt in Österreich zunächst Erinnerungen an das vergangene Jahr, als mit der Elektronikkette Niedermeyer ein ähnliches Branchenschwergewicht scheiterte. Gleichzeitig liegen auch Parallelen zu aktuellen Ereignissen auf dem deutschen Markt auf der Hand. So gab der Apple-Reseller mStore Ende vergangener Woche die Anmeldung eines Insolvenzverfahrens bekannt - ebenfalls trotz kräftiger Umsatzzuwächse. Nicht wegen des Insolvenz-Themas, wohl aber wegen eines ähnlichen Geschäftsmodells erinnert der Fall DiTech zudem an Cyberport: Der zum Medienkonzern Burda gehörende Elektronikversender betreibt ebenfalls ein ausgedehntes Ladennetz und setzt dabei wie DiTech auf ein bewusst hochwertiges Verkaufskonzept - beides Aspekte, die sich inzwischen vermehrt auf das Geschäftsergebnis von Cyberport auswirken.

DiTech, mStore und auch Cyberport zeigen damit, wie schwer es heute ohne eine über den reinen Warenkauf hinausgehende Wertschöpfungsstrategie ist, ein sowohl in der Größe wie auch vom Auftreten her ambitioniertes Retail-Konzept zu verfolgen. Denn wer den Großteil seines Umsatzes mit den einschlägigen Trend-Smartphones, -Tables und -Notebooks erwirtschaftet, bleibt aus Kundensicht mit den Platzhirschen Media-Saturn und Amazon austauschbar.