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Bericht der EU-Kommission

Online-Händler leiden unter Vertriebsbeschränkungen

Dr. Matthias Hell ist Experte in Sachen E-Commerce und Retail sowie ein Buchautor. Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge in renommierten Handelsmagazinen und E-Commerce-Blogs. Zuletzt erschien seine Buchveröffentlichung "Local Heroes 2.0 – Neues von den digitalen Vorreitern im Einzelhandel".
Die von vielen E-Commerce-Unternehmen angeprangerten Vertriebshindernisse für Online-Händler werden nun auch von der EU-Kommission anerkannt. Vor allem kleine und mittlere Händler sind von Herstellerbeschränkungen betroffen.
Bereits 2009 sammelte eBay mit einer Petition gegen Vertriebsbeschränkungen europaweit mehr als 750.000 Unterschriften.
Bereits 2009 sammelte eBay mit einer Petition gegen Vertriebsbeschränkungen europaweit mehr als 750.000 Unterschriften.
Foto: eBay

Um Preise und Vertriebsstrukturen im Griff zu behalten, belegen viele Hersteller ihre Handelspartner mit massiven Beschränkungen -dies umso mehr, wenn es um Themen wie den Online-Handel oder den grenzüberschreitenden Verkauf geht. E-Commerce-Unternehmen wie eBay prangern diesen Missstand bereits seit mehreren Jahren an. Im letzten Jahr nahm sich auch die EU-Kommission im Rahmen einer sogenannten Sektoruntersuchung den Vorwürfen an.

Nun liegt der finale Abschlussbericht zur EU-Sektoruntersuchung vor und bestätigt ernsthafte Barrieren im Digitalen Binnenmarkt: 64 Prozent der Hersteller öffneten ihre eigenen Webshops in den letzten Jahren, um den Verbraucher selber zu bedienen und somit den Markt und die Preise zu kontrollieren. Damit befinden sich Händler in einem Konkurrenzkampf mit ihren eigenen Lieferanten. Diese aufkommenden Entwicklungen haben nichts mit dem freien Binnenmarkt zu tun, sondern mit einem abgeschirmten Markt einiger großer Player. Wettbewerb ist unmöglich, solange Hersteller die KMU unterdrücken.

42 Prozent der Händler gaben zudem an, Preisvorgaben zu erhalten, die zum Nachteil der Verbraucher und Verbraucherinnen zu Preiserhöhungen führen. Das zeige auf alarmierende Weise wie Hersteller auf dem Markt agierten. Selbst absolut klare Gesetze würden für Preis- und Marktkontrollen gebrochen. Des Weiteren berichtet der Abschlussbericht, dass 18 Prozent der Händler aufgrund von Vorgaben in den Verträgen mit Herstellern nicht international handeln dürfen und somit gegen das Ziel der Digitalen Agenda der EU verstoßen müssen.

Vor allem KMU betroffen

Der Bundesverband Onlinehandel (BVOH) kämpft schon seit längeren gegen digitale Vertriebsbeschränkungen und sagt der EU-Kommission tatkräftige Unterstützung bei einer allfälligen Falleröffnung gegen Hersteller zu. "Die verheerende Auswirkungen von Vertriebsbeschränkungen auf die für den digitalen Binnenmarkt so wichtigen kleinen und mittelständischen Unternehmen konnten in der Sektoruntersuchung erfolgreich ermittelt und identifiziert werden", sagt BVOH-Präsident Oliver Prothmann. "Die Sektoruntersuchung zeigt, dass energische Maßnahmen zwingend erforderlich sind. Und das sehr schnell, denn 50 Prozent der KMU leiden unter einer oder mehreren Vertriebsbeschränkungen. Sie sitzen in der sprichwörtlichen Falle, denn sie verfügen nicht über die nötige Handelsmacht, um Markeninhaber und Hersteller zu annehmbaren Geschäftslösungen zu bewegen."

Der BVOH hatte gemeinsam mit der Initiative "Choice in eCommerce" bereits im Sommer 2016 eine europaweite Umfrage durchgeführt. Mehr als 7.000 teilnehmende Händlerinnen und Händler gaben Beispiele für eine Reihe von Beschränkungen, einschließlich Plattformverboten (oder sogenannte Marktplatzverbote) an. Das bedeutet, dass hier sechs Mal mehr Händler und Händlerinnen teilgenommen haben, als in der Umfrage der Sektoruntersuchung. Laut Umfrage des BVOH und im Einklang mit dem Abschlussbericht der EU-Kommission, beklagen mehr als 50 Prozent der Europäischen Händler und Händlerinnen Umsatzverluste durch Vertriebsbeschränkungen. Nahezu ein Fünftel der europäischen Händler beklagen einen jährlichen Verlust von 25 Prozent und mehr. (mh)

 

blackberrycrunch

Diese Umfrage ist nicht nur fragwürdig, sondern auch im Ergebnis falsch. Gerade kleine Online-Händler leiden nicht darunter, dass sie nicht ins Ausland verkaufen dürfen (die wenigsten wollen das nämlich), sondern unter den massiven verbraucherrechtlichen Vorgaben in Deutschland. Widerrufsrecht, Impressumspflicht, Angaben vor und nach dem Kauf ... alles Dinge, die Webshops in den USA und Co. praktisch nicht beachten, dort weiss man in den seltensten Fällen, mit wem man es überhaupt zu tun hat.
Die geforderte Aufhebung von Vertriebsbeschränkungen wird dazu führen, dass kleine Händler noch mehr Konkurrenz aus dem Ausland fürchten müssen, die kaum reguliert und Dank geringerer Kosten mit Kampfpreisen in den Onlinemarkt drängen. Insofern wird hier wieder einmal eine Pseudoumfrage genutzt, um Regelungen durchzusetzen, die ausschliesslich den grossen Playern helfen, aber dafür sorgen werden, dass die kleinen Händler noch schneller in der Versenkung verschwinden. Traurig, dass manch ein kleiner Webshop-Betreiber aufgrund der vollmundigen Formulierungen tatsächlich glaubt, solch ein Blödsinn würde ihm zu Gute kommen.

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