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Interview mit Media-Saturn-CEO Wolfgang Kirsch

"Was wir tun, entspricht einer ständigen Suche"



Dr. Matthias Hell ist Experte in Sachen E-Commerce und Retail sowie ein Buchautor. Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge in renommierten Handelsmagazinen und E-Commerce-Blogs. Zuletzt erschien seine Buchveröffentlichung "Local Heroes 2.0 – Neues von den digitalen Vorreitern im Einzelhandel".

"Dass wir Same-Day-Delivery brauchen, steht für uns fest"

Um die Unmittelbarkeit der kanalüberschreitenden Warenverfügbarkeit weiter zu befeuern, hat Media-Saturn in diesem Frühjahr mit Anbietern wie Tiramizoo und MyTaxi Testläufe zur Same-Day-Delivery gestartet. Wo stehen Sie hier?

Kirsch: Wir stehen bei der Same-Day-Delivery vor der finalen Prüfung und werden das Thema auf jeden Fall weiter ausrollen. Dabei kann es sein, dass wir mit den genannten Anbietern zusammenarbeiten, doch gibt es auch alternative Möglichkeiten wie zum Beispiel im neuen Stuttgarter Einkaufszentrum Milaneo, wo der Center-Betreiber einen eigenen Expresslieferdienst anbietet, den auch der dortige Media Markt nutzt. Wir probieren hier viel aus, doch dass wir Same-Day-Delivery brauchen, steht für uns fest.

Ebenso steht aber auch fest, dass wir den Service weiter verbessern müssen. Die Lieferung mit einem Dienstleister wie Tiramizoo macht vor allem bei kleineren Produkten ohne zugehörige Installation Sinn. In Berlin bieten wir hingegen bereits eine Same-Day-Lieferung mit angeschlossenen Installationsservices. Wir befinden uns im Handel einfach in einer Zeit, die stark vom Ausprobieren – aber auch vom Wieder-Verwerfen - geprägt ist.

Wolfgang Kirsch bei der Pressekonferenz zur Eröffnung des Pilot-Media-Markts in Ingolstadt
Wolfgang Kirsch bei der Pressekonferenz zur Eröffnung des Pilot-Media-Markts in Ingolstadt

Als Media Markt und Saturn mit ihren Onlineshops gestartet sind, sorgten nicht zuletzt die hohen Abholraten für Aufsehen. Ist das noch immer so?

Kirsch: Ja, die Pick-up-Raten sind noch immer so hoch. Das kommt zum einen daher, dass wir so viele Märkte haben, die auch sehr gut anfahrbar sind. Dazu kommt sicher, dass sich viele Online-Kunden im Markt noch informieren oder passendes Zubehör kaufen wollen.

Bei einem Abhol-"Drive-In", wie beim Media Markt in Ingolstadt, kommen die Kunden aber gar nicht mehr dazu, sich beraten zu lassen. Umgekehrt befinden sich in vielen älteren Märkten die Abholschalter recht versteckt. Müssen Sie das Thema Click & Collect noch optimieren?

Kirsch: In dem neuen Markt in Ingolstadt haben wir das Thema Abholung nicht mehr versteckt, sondern mit dem Drive-In und einer im Eingangsbereich angesiedelten Service-Theke dafür zentrale Stellen geschaffen. Der Ablauf ist so gestaltet, dass Artikel, die im Onlineshop als verfügbar angezeigt werden, innerhalb von einer Stunde abholbereit sind. Natürlich haben wir bei kleineren Produkten das Problem, das wir nicht wissen, ob der Kunde die Ware am Drive-In oder an der Service-Theke abholen will. Hier müssen wir einfach beobachten, wie sich das entwickelt, und uns flexibel daran anpassen. Unser Grundgedanke ist immer, dass wir den Kunden den Einkauf so bequem und so einfach wie möglich machen wollen.

"Wir glauben nicht an ein Standardformat"

Steckt hinter dieser Fokussierung auf die Bedürfnisse der Kunden die verschärfte Konkurrenz aus dem Online-Handel?

Kirsch: Media Markt war für die Kunden schon immer wie eine ganzjährige Messe: die Leute kommen und schauen, was es an Produkt-Neuigkeiten im Technikbereich gibt. Das macht unsere stationären Geschäfte attraktiv. Wir bieten damit mehr als nur den Kaufvorgang – und das ist etwas, was online nicht möglich ist. Wir wollen die Kunden an die Marke Media Markt binden und dafür brauchen wir auch die vielen Kanäle. Ein Kunden kann zu uns in den Markt gehen und sagen: das habe ich bei Media Markt online gekauft und brauche nun dazu Hilfe.

Dennoch hat die Online-Konkurrenz an ihrem Unternehmen Spuren hinterlassen – man denke nur an die berühmten "Preisinvestitionen", mit denen Sie Anschluss an das Internet-Preisniveau halten. Bereits ist auch von möglichen Standortschließungen die Rede. Wo werden Media Markt und Saturn in fünf Jahren stehen?

Kirsch: Ich denke, dass wir eher mehr Märkte haben werden als heute. Allerdings werden wir uns die Größe jedes einzelnen Marktes anschauen und uns zum Beispiel bei einer Vertragsverlängerung fragen, ob das bestehende Format noch passt. Manche Märkte werden wir vergrößern, andere verkleinern oder auch den Schnitt verbessern, um die Attraktivität zu erhöhen. Wir haben zuletzt in einer Reihe von kleineren Städten Märkte mit Flächen knapp unter 2.000 Quadratmetern eröffnet, die sehr gut funktionieren. Wir glauben nicht an ein Standardformat und wollen auch Geschäfte mit ein paar hundert Quadratmetern nicht ausschließen, wie wir sie zum Beispiel mit "Saturn Connect" in Polen erproben. Doch dass der stationäre Handel attraktiv ist, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass inzwischen auch Online-Händler Geschäfte eröffnen.