Gute Zahlen gegen schlechte Laune

Wie geht es deutschen IT-Dienstleistern?

Peter Marwan lotet kontinuierlich aus, welche Chancen neue Technologien in den Bereichen IT-Security, Cloud, Netzwerk und Rechenzentren dem ITK-Channel bieten. Themen rund um Einhaltung von Richtlinien und Gesetzen bei der Nutzung der neuen Angebote durch Reseller oder Kunden greift er ebenfalls gerne auf. Da durch die Entwicklung der vergangenen Jahre lukrative Nischen für europäische Anbieter entstanden sind, die im IT-Channel noch wenig bekannt sind, gilt ihnen ein besonderes Augenmerk.
Jammern, klagen und schimpfen sind in Deutschland aktuell angesagt. Unter "Katastrophe" fängt man mit der Einschätzung der Lage gar nicht an. Aber ist das wirklich so? Und wie kommen IT-Dienstleister durch das Tal der Tränen? Eine Bilanz zum Abschluss des ersten Quartals 2024.
Darstellungen aus dem Mittelalter - wie hier aus der Sankt-Cäcilia-Kathedrale im südfranzösischen Albi - zeigen die Menschen mit Bibeln in Erwartung der Apocalypse. Heute müssen Bilanzbuch, Studien und Wirtschaftsprognosen herhalten, um den Menschen Angst zu machen. Begründet ist die nicht immer.
Darstellungen aus dem Mittelalter - wie hier aus der Sankt-Cäcilia-Kathedrale im südfranzösischen Albi - zeigen die Menschen mit Bibeln in Erwartung der Apocalypse. Heute müssen Bilanzbuch, Studien und Wirtschaftsprognosen herhalten, um den Menschen Angst zu machen. Begründet ist die nicht immer.
Foto: Claudio Giovanni Colombo - shutterstock.com

Kurz vor Weihnachten, hat Handelsblatt-Chefredakteur Sebastian Matthes über den "gefährlichen Pessimismus der deutschen Wirtschaft" geschrieben. Er verglich die Lage mit der ein Jahr zuvor und kam zu dem Ergebnis, dass sich die Situation komplett gewandelt hat: Während im Herbst 2022 die Stimmung deutlich besser war als die Lage, war die Stimmung im Herbst 2023 deutlich schlechter, als es die objektiven Kennzahlen vermuten ließen.

Dieser Trend hält an. "Deutsche Wirtschaft wie gelähmt", überschreibt das Ifo-Institut zum Beispiel seine aktuelle Konjunkturprognose. "Die Konsum-Zurückhaltung, die hohen Zinsen und Preissteigerungen, die Sparbeschlüsse der Regierung und die schwache Weltkonjunktur dämpfen derzeit die Konjunktur in Deutschland und führen erneut zu einer Winterrezession", kommentiert Studienleiter Timo Wollmershäuser.

Das Bundeswirtschaftsministerium zeichnete in seiner Einschätzung der wirtschaftlichen Lage in Deutschland im Januar ebenfalls ein unfreundliches, allerdings aber auch ein uneinheitliches Bild: Immerhin bei privaten Haushalten sah es Silberstreifen am Horizont. Bei der Konjunkturumfrage der DIHK zum Jahresbeginn 2024 sah es auch nicht besser aus. Bei der Vorstellung der Ergebnisse sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben, dass es dem Verband große Sorge bereite, dass sich die schlechte Stimmung in der deutschen Wirtschaft weiter verfestigt.

"Beunruhigend ist, dass mittlerweile fast drei von fünf Unternehmen in den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen ein Geschäftsrisiko sehen. Das ist ein besorgniserregender Höchstwert in unseren Befragungen," sagte Wansleben. Die logische Konsequenz: Man denkt über die Abwanderung nach - eine Überlegung, die auch Handelsblatt-Chefredakteur Matthes in letzter Zeit öfter gehört hat.

IT-Dienstleister können nicht klagen

Das mag für produzierende Unternehmen interessant sein - für IT-Dienstleister ist es schwierig. "Nah am Kunden" heißt eben auch geographische Nähe zu zeigen. Viele praktizieren das erfolgreich und sogar die großen indischen Outsourcer haben inzwischen alle Teams in ansehnlicher Größe in Deutschland.

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Wenn Abwanderung keine Option ist, kann man sich ergeben oder kämpfen. Und viele Frmen aus der IT-Branche kämpfen sehr erfolgreich. Manchmal wird das von Beobachtern und Analysten nicht honoriert - so wie kürzlich zum Beispiel bei GFT Technologies. Da hatten die Börsenanalysten "mehr" erwartet. Schön für sie - und schön für sie, dass sie ihre Luftschlösser und Kursphantasien nicht näher begründen müssen.

Schade für die Betroffenen. Sie müssen sich fühlen, wie ein Schüler, der ein Zweier-Zeugnis nach Hause bringt und trotzdem Hausarrest bekommt, weil von den Eltern eine Zwei Plus erwartet wurde. Solche Erziehungsmethoden sind heute übrigens nicht mehr "State of the Art" und es gibt Experten, die da helfen können.

Was sind realistischen Erwartungen?

In den vergangenen Jahren wuchs der IT-Dienstleistungsmarkt in Deutschland laut Lünendonk im Durchschnitt jedes Jahr um rund 10 Prozent. 2022 war mit 13,2 Prozent Wachstum ein überdurchschnittlich gutes Jahr. Für 2024 erwartete Lünendonk in seiner Prognose ein Umsatzplus von 13,5 Prozent.

Der Bitkom erwartet für 2024 im gesamten ITK-Markt in Deutschland einen Umsatz von 151,5 Milliarden Euro erwartet. Im Vergleich zu 2023 ist das ein Wachstum um 6,1 Prozent. Die Ausgaben für IT-Services steigen laut Bitkom 2024 voraussichtlich um 4,8 Prozent auf insgesamt 51,7 Milliarden Euro.

Die Messlatte für Unternehmen, die sich im Umfeld IT-Dienstleistungen bewegen, liegt 2024 also bei einem Umsatzwachstum zwischen 4,8 und 13,5 Prozent. So viel müssen sie erreichen, um über dem Durchschnitt zu wachsen. Wie sieht es da aus? Die folgende Auflistung gibt einen Überblick (Stand 28. März 2024, alphabetische Reihenfolge).

Wie schlagen sich Deutschlands IT-Dienstleister?

Adesso steigerte den Umsatz 2023 um 26 Prozent und erwartet für 2024 "eine zweistellige Wachstumsrate". Das EBITDA soll von zuletzt 80 auf 110 bis 130 Millionen Euro gesteigert werden. Für 2024 rechnet Adesso aufgrund anhaltend hoheer Nachfrage nach Digitalisierungsprojekten mit weiterem Wachstum: 2024 Erlöse in Höhe von 1,25 Milliarden Euro erzielt werden, das Bruttoergebnis dürfte sich zwischen 110 und 130 Millionen bewegen, die EBITDA-Marge nach einer Delle 2023 wieder knapp zweistellig werden.cccc

Bechtle legte 2023 um 6,8 Prozent zu. Die vollständigen Zahlen für das Geschäftsjahr und dann sicher auch einen Ausblick auf de Erwartungen für 2024 legt das Unternehmen am 15. März vor

Cancom steigerte den Umsatz 2023 um fast 18 Prozent. Dazu trugen auch Zukäufe bei - die sind ja aber zum Ausbau der Marktposition nicht verboten. Dass das Unternehmen keinem ungesunden Kaufrausch frönte, zeigt der Zuwachs von 10,9 Prozent beim EBITDA. Für 2024 ist CEO Rüdiger Rath aufgrund der 2023 getroffenen Maßnahmen (unter anderem neues ERP-System) serh zuversichtlich. Der Cancom-Vorstand geht für das Geschäftsjahr 2024 von einem Wachstum des Umsatzes auf 1,75 bis 2 Milliarden Euro aus.

Computacenter erzielte 2023 in Deutschland Gesamterlöse in Höhe von 3,3234 Miliarden Euro. Damit erhöhte das Systemhaus seinen Jahresumsatz hierzulande gegenüber 2022 um acht Prozent. Legt man konstante Wechselkursen zugrunde erhöhte sich Computacenters Gewinn vor Steuern (EBIT) 2023 in Deutschland um 13,8 Prozent auf 138,7 Millionen Euro. "2023 hatten wir erneut ein exzellentes Jahr", zieht Deutschland-Chef Bernd Charpentier Bilanz.

Datagroup blickte bereits bei der Vorlage der Quartalszahlen im Januar 2024 optimistisch in die Zukunft - vor allem im Bereich Managed Services, wo es von einem "sehr starken Auftragseingang" berichtete. Auf der Hauptversammlung am 14. März hat der Vorstand dann die offizielle Prognose für das laufende Geschäftsjahr, das am 30.09.2024 endet, veröffentlicht. Das Unternehmen rechnet demnach mit einem Umsatzwachstum auf 510 bis 530 Millionen Euro (2023: 497,8 Millionen Euro). Für das EBITDA wird eine Spanne von 77 bis 81 Millionen Euro erwartet. Es liegt damit etwa auf Vorjahresniveau. Mit dem Zukauf der SAP-Spezialisten der ISC Innovative Systems Consulting AG aus Rosenheim und der Übernahme des IT-Dienstleisters IT-Total aus Rottweil setzte das Unternehmen zudem seine Übernahmestrategie auch 2024 fort.

GFT Technologies steigerte den Umsatz 2023 um zehn Prozent, im Segment "Continental Europa" sogar um 23 Prozent. Für 2024 erwartet der Dienstleister ein Umsatzwachstum von 15 Prozent.

MR Datentechnik aus Nürnberg steigerte seinen Umsatz in einem für den fränkischen IT-Dienstleister schwierigen Jahr auf 220 Millionen Euro. Als inhabergeführtes Unternehmen hat man nicht den Wachstums- und Margendruck der börsennotierten Firmen und gibt sich damit zufrieden, einfach wieder einmal ein Rekordjahr hingelegt zu haben. Verzweiflung sieht auch anders aus.

Die mittelständische Morgenstern-Gruppe, mit Sitz in Reutlingen und Fokus auf Managed Print Services und Digitalisierung, wuchs ebenfalls weiter. Gerade angesichts der Wurzeln und starken Präsenz im Drucker- und Kopierergeschäft und sinkendem Druckvolumen ist das keine Selbstverständlichkeit. Der Umsatz kletterte 20203 dennoch auf 44,8 Millionen Euro - 11,9 Prozent mehr als im Vorjahr.

Nagarro wird seine Zahlen für 2023 erst am 16. April vorlegen - spricht aber schon jetzt von einer absehbaren Erholung und peilt für 2024 die Umsatzmilliarde an. Bei einem für 2023 prognostizierten Umsatz von etwa 915 Millionen Euro Umsatz wäre das 2024 mindestens ein Zuwachs von 9,3 Prozent.

Diese Liste ist nicht vollständig. Aber sie lässt sich in den kommenden Wochen hoffentlich fortsetzen. Bis dahin - bis also belastbare und verlässliche Zahlen vorliegen - wäre es schön, wenn wir wenigstens in der IT-Branche ein bisschen weniger jammern und ein bisschen mehr Optimismus verbreiten. Gründe dazu gibt es ja vielfach. Wem es noch schwer fällt, der kann sich gerne von diesem Klassiker der Pop-Kultur inspirieren lassen. Lasst die Sonne rein!

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