Rückläufiger Umsatz

Conrad rutscht in die roten Zahlen



Matthias Hell ist Experte in Sachen E-Commerce und Retail sowie  Buchautor. Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge in renommierten Handelsmagazinen und E-Commerce-Blogs. Zuletzt erschien seine Buchveröffentlichung "Local Heroes 2.0 – Neues von den digitalen Vorreitern im Einzelhandel".
Conrad Electronic zählt zu den Vorreitern in Sachen Multichannel und Handelsdigitalisierung. Wie die nun veröffentlichten Geschäftszahlen für 2018 zeigen, musste das Unternehmen bei der Umsatzentwicklung und beim Ergebnis dennoch Rückschläge hinnehmen.
Das rückläufige Filialgeschäft macht Conrad Electronic zu schaffen
Das rückläufige Filialgeschäft macht Conrad Electronic zu schaffen
Foto: Conrad Electronic

Eigentlich macht Conrad Electronic alles richtig: Frühzeitig transformierte die Elektronikkette ihr einstiges Kataloggeschäft in Richtung E-Commerce und betreibt neben Conrad.de (mit 509 Millionen Euro Umsatz die Nummer 11 im EHI-Ranking der umsatzstärksten Onlineshops 2019) auch die Webshops Voelkner.de (Platz 45, 154 Mio. Euro Umsatz) sowie Digitalo.de. Das Filialnetz hat das Unternehmen auf die 19 profitabelsten Standorte zurechtgestutzt und die Geschäfte mit digitalem Ladenbau, Angeboten für die Maker-Szene wie 3D-Druck-Services sowie rund um die Uhr geöffneten Abholstationen den heutigen Kundenbedürfnissen entsprechend modernisiert. Trotzdem tut sich Conrad gegen den immer stärkeren Wettbewerb durch reine Online-Anbieter schwer. "Es ist klar, dass das stationäre Geschäft unter Druck ist", räumte dazu Conrad-CSO Ralf Bühler Ende 2019 gegenüber ChannelPartner ein. Investitionen in die weitere Digitalisierung des Geschäfts seien deshalb alternativlos.

Wie aus dem nun veröffentlichten Zahlen von Conrad Electronic für das Geschäftsjahr 2018 hervorgeht, ist es dem Unternehmen dennoch nicht gelungen, sich gegen den rückläufigen Trend bei Umsatz und Ertrag zu stemmen. Nachdem der Umsatz zuletzt bei 1,07 Milliarden Euro stagnierte, gingen die Verkäufe 2018 um 5,5 Prozent auf 1,01 Milliarden Euro zurück. Im gleichen Zeitraum wuchs laut EHI-Ranking der kombinierte Online-Umsatz von Conrad.de und Voelkner.de von 629 auf 663 Millionen Euro. Das würde bedeuten, dass Conrad im Filialgeschäft von 2017 auf 2018 einen Umsatzrückgang von mindestens 21 Prozent hinnehmen musste.

Auch Innovationen wie ein Verkaufsroboter helfen für die kurzfristige Entwicklung nur wenig
Auch Innovationen wie ein Verkaufsroboter helfen für die kurzfristige Entwicklung nur wenig
Foto: Conrad

Die negative Umsatzentwicklung wirkt sich auch auf das Geschäftsergebnis aus: Hatte Conrad bislang lediglich mit einer rückläufigen Profitabilität zu kämpfen, rutschte das Unternehmen 2018 beim Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit mit einem Verlust von 14,6 Millionen Euro (Vorjahr: +24,1 Millionen Euro) erstmals in die roten Zahlen.

B2B-Fokussierung als Zukunftsstrategie

In den Ausführungen des Geschäftsberichts benennt Conrad die Ursachen für die negative Entwicklung klar und deutlich. So sei die Entwicklung der Filialen mit entsprechend sinkenden Besucherzahlen marktkonform der rückläufigen Entwicklungen des deutschen Stationärhandels gefolgt. Gleichzeitig habe Conrad nach den sehr hohen Investitionssummen der Vorjahre (2013 bis 2017 investierte das Unternehmen insgesamt 120 Millionen Euro) 2018 mit 19 Millionen Euro erneut hohe Ausgaben für die eigene Zukunftsfähigkeit aufgewendet.

Den allergrößten Anteil daran habe die Entwicklung der neuen Webplattform von Conrad eingenommen - "angesichts der Plattformstrategie von Conrad ein notwendiges und zukunftssicherndes Investment", so das Unternehmen in dem Geschäftsbericht. "Ein nachhaltig profitables Geschäft [wird] vor dem Hintergrund der deutlich anspruchsvolleren Marktbedingungen immer schwerer", lautet folglich auch das Fazit zu dem Geschäftsbericht.

Viel erhofft sich Conrad Electronic von der eingeleiteten Schwerpunktsetzung auf das B2B-Geschäft. "Unser Hauptfokus wird auf dem Segment der gewerblichen Kunden liegen", heißt es dazu explizit in dem Geschäftsbericht. Der Einsatz von modernen Technologien, Algorithmen und künstlicher Intelligenz solle zielgerichtet dazu beitragen, die Geschäftsprozesse noch kundenorientierter zu gestalten und diese speziell für die Anforderungen der B2B Kunden noch schneller, leistungsfähiger und zuverlässiger zu machen. Conrad werde weiterhin in die Erweiterung des B2B-Sortimentes investieren und den 2017 gestarteten B2B-Marktplatz nutzen, um das Angebot weiter zu vergrößern und den gewerblichen Kunden die Beschaffung aus einer Hand zu ermöglichen.

Die 1923 gegründete Conrad Electronic mit Sitz in Hirschau beschäftigt rund 4000 Mitarbeiter weltweit
Die 1923 gegründete Conrad Electronic mit Sitz in Hirschau beschäftigt rund 4000 Mitarbeiter weltweit
Foto: Conrad Electronic

Zusätzlich solle in den nächsten Jahren eine deutliche Verbesserung der Kostenstruktur erreicht werden, um dem langfristigen Trend sinkender Margen entgegenzuwirken. Denn der "seit Jahren anhaltende Verdrängungswettbewerb im B2C, verbunden mit einer deutlichen Veränderung der Konsumgewohnheiten der Verbraucher, [wird] auch weiterhin den Druck auf die Margen hoch halten", so das Unternehmen.

Rückbau des Filialnetzes

Was das Filialgeschäft betrifft, sieht sich Conrad in einer ambivalenten Position. Einerseits trügen die Geschäfte zur Omnichannel-Strategie bei und ermöglichten auch eine Steigerung der B2B-Umsätze. Andererseits sieht sich die Elektronikkette dazu gezwungen, ihr Filialgeschäft zielgerichteter zu führen und den Marktentwicklungen anzupassen und hat dazu die stationären Geschäfte Anfang 2019 in die neu gegründete Conrad Electronic Stores GmbH ausgegliedert, die von den Conrad-Managern Ralf Heinrichs, Jürgen Groth und Werner Conrad geleitet wird.

Die neue Gesellschaft hat bereits 2019 mit der Schließung des Standorts in Hamburg-Altona das Filialnetz auf 20 Geschäfte verkleinert. Anfang 2020 machte nun die Filiale in Düsseldorf dicht und für das Jahresende ist bereits der Rückzug von Conrad Electronic aus Mainz angekündigt.

Dennoch gibt man sich bei Conrad optimistisch, die anstehenden Herausforderungen gut bewältigen zu können. Auf Anfrage von ChannelPartner erklärte eines Sprecherin des Unternehmens, entsprechend den Ausführungen im Geschäftsbericht für 2018 seien bereits Maßnahmen in Hinblick auf Umsatz und Kosten eingeleitet worden und zeigten auch schon erste Wirkung. "Wir gehen tendenziell von einem deutlich verbesserten Betriebsergebnis für 2019 aus", so die Unternehmenssprecherin. Zudem belege die Eigenkapitalquote von über 70 Prozent die nach wie vor solide Kapitalausstattung und finanzielle Stärke des Unternehmens. "Conrad Electronic nimmt damit auch weiterhin eine Spitzenstellung im Handel ein", so das Fazit des Statements.