Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

Die CE-Verbünde im Online-Geschäft

Die Aufholjagd der Verbundgruppen



Matthias Hell ist Experte in Sachen E-Commerce und Retail sowie ein Buchautor. Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge in renommierten Handelsmagazinen und E-Commerce-Blogs. Zuletzt erschien seine Buchveröffentlichung "Local Heroes 2.0 – Neues von den digitalen Vorreitern im Einzelhandel".
EP, Euronics und Expert haben sich zur Fußball-EM in Frankreich ist Stellung gebracht - traditionell ist das Sportereignis für das Geschäft der Verbundgruppen entscheidend. Doch wie weit sind die CE-Verbünde zur EM mit ihrer Online-Strategie?

Für Euronics wirbt Oliver Kahn, Expert setzt auf Mehmet Scholl und selbst bei Electronic Partner (EP), das auf einen teuren Werbestar verzichtet, steht König Fußball ganz im Mittelpunkt. Mit der Fußball-EM in Frankreich ist 2016 eines der Jahre, das dank sportlichem Großereignis den CE-Verbünden besondere Umsatzchancen verspricht.

Doch die Unterhaltungselektronik zählt auch zu den Geschäftsfeldern mit den höchsten Online-Umsatzanteilen. Über 50 Prozent der Deutschen sind laut den E-Commerce-Beratungsunternehmen Metoda und Clevis bereit, Flachbildfernseher über das Internet zu kaufen und der Online-Anteil am CE-Markt liegt hierzulande bereits über 20 Prozent. Das Online-Geschäft zu ignorieren, kann sich folglich keine der Verbundgruppen mehr leisten. Doch wie weit sind EP, Euronics und Expert heute mit ihrer Aufholjagd im Netz?

Das Online-Alibi von Expert

Am wenigsten E-Commerce gibt es weiterhin bei Expert. Zwar ist in die Webseite der Verbundgruppe inzwischen ein umfangreicher Warenkatalog integriert. Doch wer sich für eines der Produkte interessiert, muss zunächst einen stationären Fachmarkt auswählen, erhält dann eine Verfügbarkeitsanzeige und kann schließlich per Online-Formular eine Preisabfrage starten.

Ist der Kunden nach der Rückantwort des ausgewählten Expert-Händlers noch immer an dem Produkt interessiert, kann er dieses online reservieren und dann im Geschäft abholen und bezahlen. Um die Rolle der Expert-Partner vor Ort möglichst stark zu halten, hat sich die Verbundgruppe damit für ein Verkaufsmodell entschieden, das sämtlichen Online-Kaufimpulsen entgegensteht. Statt von einem echten E-Commerce-Modell muss man hier also eher von einem Online-Alibi sprechen.

Expert-Chef Volker Mükker (mitte) bei der Bilanzkonferenz 2015 der Verbundgruppe
Expert-Chef Volker Mükker (mitte) bei der Bilanzkonferenz 2015 der Verbundgruppe
Foto: Expert

Dass Expert die Zukunft des Handels dennoch nicht verschlafen will, hat die Verbundgruppe mit der Ende 2015 eröffneten Innovations-Filiale in Schwerin gezeigt. Nicht nur wird dort die Beratung durch Kundentablets und Mitarbeiter mit Smartwatches unterstützt, auch ist der Online-Warenkatalog von Expert durch eine virtuelle Regalverlängerung und freies Kunden-WLAN in das stationäre Einkaufserlebnis miteingebunden.

Doch ohne echtes E-Commerce-Konzept macht das nur begrenzt Sinn - was wohl auch Volker Müller klar ist: "Mit der Innovations-Filiale haben wir die Weichen für ein neues Expert Einkaufserlebnis gestellt. Doch das ist nur der Anfang - wir werden das Konzept kontinuierlich anpassen und ausbauen", so der Expert-Chef.

Euronics ist am weitesten

Besucht man die Webseite von Euronics, trifft man dagegen auf eine echte Onlineshop-Oberfläche. Anfang 2015 hat die Verbundgruppe ihr Cross Channel Retail Konzept gestartet, hinter dem eine komplexe Marktplatzlösung aus einer Vielzahl von Händlershops steht.

Für den Endkunden ist der Online-Einkauf bei Euronics trotzdem weitgehend intuitiv und einfach: Produkte werden wie gewohnt in einen Warenkorb abgelegt und erst beim Checkout kann sich der Kunden entscheiden, ob er einzelne Artikel oder auch die komplette Bestellung (je nach Verfügbarkeit) bei einem Händler in seiner Nähe abholt oder nach Hause liefern lässt.

Euronics wird damit der starken lokalen Präsenz seiner Mitglieder gerecht und bietet doch ein zeitgemäßes Online-Einkaufserlebnis an. Bei den Bezahloptionen muss die Verbundgruppe allerdings noch nachbessern: Im Euronics-Onlineshop ist lediglich die Bezahlung mit Vorkasse, Kreditkarte und Sofortüberweisung möglich. Beliebte Online-Bezahlarten wie PayPal fehlen und auch der Kauf auf Rechnung wird nicht angeboten.

Der Online-Marktplatz von Euronics
Der Online-Marktplatz von Euronics
Foto: Euronics

Work-in-progress bei EP

Irgendwo zwischen den Polen Expert und Euronics bewegt sich das, was Electronic Partner - der dritte große CE-Verbund - derzeit in Sachen Online bietet. Wie Vorstandssprecher Friedrich Sobol gegenüber ChannelPartner ankündigte, plant die Verbundgruppe, im Verlauf des Jahres sowohl Click & Collect wie auch ein echtes Online-Lieferangebot einzuführen.

Derzeit hat EP allerdings erst die Grundlagen dafür gesetzt. Ähnlich wie Euronics setzt auch die Düsseldorfer Verbundgruppe auf ein Netzwerk aus Händlershops. Legt ein Kunde auf der EP-Webseite ein Produkt in den Warenkorb, muss er sich als nächstes für einen Fachhändler in seiner Umgebung entscheiden. Die Bestellung kann dann mit Kreditkarte online bezahlt und bei dem betreffenden EP-Händler abgeholt werden. Etwas weiter ist bereits die zu EP gehörende Fachmarkt-Kette Medimax, wo Produkte auch online reserviert und bei Abholung offline bezahlt werden können.

In der jetzigen Version ist das Online-Angebot von EP noch ähnlich weit von E-Commerce-Standards entfernt, wie der Internet-Warenkatalog von Expert. Doch mit den Ausbaustufen Click & Collect und Warenversand könnte EP bis Jahresende ein Angebot gelingen, das der Shop-Lösung von Euronics recht nahe kommt.

In der Düsseldorfer Firmenzentrale von EP wird noch am Aufbau des E-Commerce-Systems gearbeitet
In der Düsseldorfer Firmenzentrale von EP wird noch am Aufbau des E-Commerce-Systems gearbeitet
Foto: ElectronicPartner

Was sagt der Kunde?

So aufwändig die Umsetzung der verschiedenen Online-Konzepte für die CE-Verbünde ist, am wichtigsten ist jedoch die Frage, welche positiven Effekte die umgesetzten Lösungen bei den Kunden erzielen. Ein Manko, das alle Verbundgruppen betrifft, ist die fehlender Präsenz der angebotenen Waren bei den Preisvergleichsportalen. Das Online-Geschäft ist nun einmal recht stark preisgesteuert. Doch bei Idealo und Co. findet man weder EP, noch Euronics und Expert.

Es stellt sich die Frage, wie gewohnte Online-Kunden so auf die Internet-Angebote der Verbundgruppen stoßen sollen. Allerdings sind Online-Händler, die zu den Verbünden gehören, durchaus bei den Preisvergleichern zu finden, so etwa der Euronics-Partner Comtech oder die Expert Technomärkte aus dem Münchner Umland. Die Verbundgruppen selbst sind bisher nur zu Experimenten mit lokalen Einkaufsportalen bereit: Bei Locafox finden sich beispielsweise Angebote von Medimax-Märkten genauso wie Euronics-Händler.

So unterschiedlich die Verbünde in ihren Online-Anstrengungen sind - größere Auswirkungen auf die Geschäftsentwicklung zeigen sich bislang nicht. Euronics-Chef Benedict Kober erklärte beim Kongress der Verbundgruppe im Frühjahr zwar, man registriere steigende Umsätze mit dem Cross Channel Retail-Konzept.

Doch mit einem Umsatzplus von drei Prozent auf 1,51 Milliarden Euro liegt Euronics weiterhin knapp hinter EP, das 2015 auf stagnierende 1,57 Milliarden Euro kam. Am dynamischsten entwickelt sich ausgerechnet E-Commerce-Verweigerer Expert, das im Geschäftsjahr 2014/15 seinen Umsatz um 5,5 Prozent auf 2,09 Milliarden Euro steigerte. Damit zeigt sich: Keine der Verbundgruppen nutzt bisher das Potenzial, das sich im E-Commerce-Geschäft bieten würde. (rw)