Foto: ploon.it group
Viele Chefs von Systemhäusern und Managed Service Providern (MSP) finden keinen geeigneten Nachfolger und suchen derzeit nach Alternativen. Oder sie scheuen das weitere Wachstum, weil sie sich vor den daraus folgenden komplexeren Organisationsstrukturen fürchten. Eine Möglichkeit, schneller zu wachsen oder die eigenen Kunden in die Obhut anderer vertrauenswürdiger IT-Dienstleister zu übergeben, ist es, sich einer größeren Gruppe anzuschließen und dieser eventuell auch Firmenanteile zu verkaufen. Beispiele am Markt gibt es zuhauf: Teccle, Connexta oder Citadelle - nur um einige zu nennen.
Mitte 2024 ist mit der Ploon IT Group eine neue Gruppe von Managed Service Providern entstanden. Den Anstoß zur Bildung gab die List + Lohr GmbH. 1996 von den Wirtschaftsingenieuren Martin List und Jan-Michael Lohr in Hannover gegründet, baute der IT-Dienstleister von 2010 an eine eigene Cloud-Sparte auf, die Hannover Cloud. Im Zuge dessen entstand ein Spin-off, das Hosting-Unternehmen Busymouse, das 2016 an den Dortmunder Cloud-Service-Provider Dogado veräußert wurde. Damit zog sich List + Lohr aus dem reinen Hosting-Geschäft zurück und konzentrerte sich auf Managed Services. Bei Wahl des Cloud-Providers war man nun frei.
2018 wurde die List + Lohr Datenschutz und Informationssicherheit GmbH gegründet, 2019 erwarben die Gründer ein weiteres Systemhaus in Hannover, die Zahl der Mitarbeiter stieg von 35 auf 60. 2021 wurde der Datev-Partner T&S Computech GmbH akquiriert. Mittlerweile beschäftigt das Unternehmen 93 Mitarbeiter und betreut über 1.000 mittelständische Kunden deutschlandweit.
Wachstumspläne mit Unterstützung durch Prom12
Um unter dem Dach der Ploon IT Group schneller zu wachsen, hat sich das Management der List + Lohr GmbH 2024 entschlossen, mit der Münchner Private-Equity-Gesellschaft Prom12 zusammenzuarbeiten. Die Prom12 Management GmbH, ein Partner der von Cancom-Gründer Klaus Weinmann geführten Primepulse SE, konzentriert sich auf Beteiligungen an mittelständischen Unternehmen in den Bereichen IT, IT-Services und digitale Transformation. Eine der bekanntesten der Prom12-Investitionen ist die Beteiligung an der Dresdner Communardo GmbH.
Mit Hilfe von Prom12 will die Ploon IT Group 2025 neue Mitglieder aufnehmen und deren Wachstum fördern. Das Management mit den Gründern Martin List und Jan-Michael Lohr sowie COO Jan Schmidt, befindet sich eigener Aussage zur Folge gerade in "fortgeschrittenen Gesprächen" mit mehreren IT-Dienstleistern, die sich der Ploon IT Group anschließen möchten.
Nach der Aufnahme neuer Mitglieder sollen diese möglichst rasch integriert werden. Administrative Funktionen werden zentralisiert, um die operative Effizienz zu erhöhen. Das bisherige List+Lohr-Portfolio (Managed IT-Services und Datenschutz) soll breiter werden. Hier streben die Gründer danach, vor allem Know-how in den Bereichen Cybersecurity und Künstliche Intelligenz (KI) zu erwerben, um Ploon IT als Anbieter für digitale Arbeitsplätze im KMU-Segment zu positionieren. Ein weiters Ziel ist es, mittelständische Kunden bei ihrer digitalen Transformation zu begleiten und ihnen regional erbrachte Services zu offerieren.
Foto: ploon.it group
Jan-Michael Lohr, CEO der Ploon IT Group und Geschäftsführer der List + Lohr GmbH, sagt, wie das funktionieren könnte: "Unsere bisherigen Erfahrungen haben uns wertvolle Einblicke gegeben, wie man typische Wachstumshürden erfolgreich überwindet und die Effizienz im IT-Service Geschäft stark steigern kann. Diese Erkenntnisse planen wir als Vorlage in der Ploon IT Group einzusetzen."
"Durch Synergien innerhalb unserer Gruppe wollen wir unsere Mitglieder stärken und sie zu Local Heros entwickeln", ergänzt COO Jan Schmidt. Seiner Ansicht nach befinden sicht Ploon-IT-Group-Mitglieder mit ihrer lokalen Kundennähe gegenüber überregionalen Anbietern im Vorteil: "Regionale IT-Service Provider sind zunehmend gefordert, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu beweisen. In einer Zeit, in der sich verschiedene Herausforderungen überschneiden, stehen sie nicht nur einem gravierenden Fachkräftemangel gegenüber, sondern sehen sich auch einer wachsenden Konkurrenz durch überregionale Anbieter ausgesetzt".
2025 acht Übernahmen geplant
Welche Unternehmen könnte nun Ploon IT 2025 übernehmen? Da hat Jan-Michael Lohr ganz klare Vorstellungen: Ihm schweben acht bereits gut etablierte Systemhäuser mit zweistelligen Millionenumsätze vor. Sie sind in den wirtschaftlich bedeutenden Ballungsräumen Deutschlands angesiedelt, also Berlin, Hamburg, Ruhrgebiet, Rhein-Main-Region, Stuttgart und München. Die erste Übernahme 2025 soll voraussichtlich in Süddeutschland erfolgen. Die Gespräche sind laut Lohr schon "sehr weit fortgeschritten".
Foto: Ploon IT Group
Bei der Auswahl der Kandidaten geht Ploon IT so vor, dass mindestens 100 Kilometer Luftlinie zwischen den Firmensitzen der Gruppenmitglieder liegen sollten, um nicht in den Wettbewerb um lokale Kunden zu treten. Laut Schmidt sollten diese Systemhäuser einen festen Kundenstamm im Mittelstand haben und Managed Services auch schon anbieten. In der Ploon IT Group könnten sie dann dieses Geschäftsfeld deutlich ausbauen, so die Vorstellung des CEOs und COOs.
Darüber hinaus sollte alle neuen Mitglieder mit starkem Management gesegnet sein, die Nachfolge ebenfalls feststehen. Aber auch erst jüngst entstandene Systemhäuser sind für Lohr und Schmidt attraktiv. Sie würden gerne diesen Unternehmen gerne helfen, sich weiterzuentwickeln.
"Local Heroes" mit starker Stimme gegenüber Lieferanten
Die neu zur Gruppe beitretenden Häuser bleiben "local heroes", das heißt sie behalten ihre alten Firmennahmen bei. Gegenüber Lieferanten würden sie aber schon als Ploon IT auftreten, um dort eben als ein größerer Player wahrgenommen zu werden. Hier verspricht sich Schmidt auch gewisse Synergieeffekte.
Welche Zentralfunktionen offeriert die Gruppe ihren Mitgliedern? Auch das steht bereits fest: neben der Beschaffung sind es Buchhaltung, technischer Support, Marketing und Vertrieb. Gegenüber ihren Kunden würden aber die ploon.it-Mitgliedern schon eigenständig auftreten - mit ihrer Marke. Das ist laut Lohr ganz entscheidend.
Ferner steht es den Inhabern der übernommen Firmen frei, sich an Ploon IT zurück zu beteiligen, um auf diese Weise für sich und ihre Angestellten eine langfristige Perspektive aufzubauen. Für Schmidt wird 2025 ein weiteres Jahr der Konsolidierung der Systemhausbranche werden, auch wenn einige Gruppen bereits "gesättigt" sind. Andere wiederum werden 2025 mit der Integration der übernommenen Unternehmen zu kämpfen haben.
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